Wohnraumschaffung im Bestand und Eigentumsbildung stärken

Berlin, 27. Januar 2026. Wie kann Wohneigentum wieder erreichbar werden – und wie lässt sich der Bestand so aktivieren, dass junge Haushalte wieder bessere Chancen auf die eigenen vier Wände erhalten? Mit diesen Fragen befasste sich das ifs Wohnungspolitische Forum 2026 des Deutschen Verbands für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung (DV) am 27. Januar 2026 im Bausparhaus in Berlin. Die Teilnehmenden sprachen sich für eine Stärkung des Wohneigentums in der Wohnungspolitik des Bundes aus und sowohl Erwerbshürden als auch Hemmnisse im Bestand wirksam abzubauen.

Gleich zu Beginn machte Guido Beermann, Präsident des Deutschen Verbands für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung, die Dringlichkeit deutlich: „Die Wohneigentumsquote junger Haushalte sinkt seit Jahren spürbar. Wenn junge Menschen das Gefühl verlieren, dass Wohneigentum erreichbar ist, dann verlieren sie ein Stück Zukunftssicherheit.“ Im Anschluss skizzierte Staatssekretär Dr. Olaf Joachim, wie die Bundesregierung dieser Entwicklung begegnen will. Er stellte die angekündigte „Starthilfe Wohneigentum“ in Aussicht und verwies auf Arbeiten an einem Bürgschaftsprogramm, das Haushalten mit wenig Eigenkapital den Zugang erleichtern soll.  Außerdem arbeite sein Haus mit der KfW daran, die bisherige Familienförderung im Zuge der erfolgenden Anpassung der Förderprogramme neu zu gestalten. „Erwerb und Sanierung müssen von Anfang an zusammengedacht werden“, so Dr. Joachim.

Deutlich wurde in der Diskussion, dass die bestehende Familienförderung den Eigentumserwerb bislang jedoch nur unzureichend unterstützt: Die Programme fokussieren in der Praxis vor allem Energieeffizienzanforderungen, statt die zentrale Hürde – fehlendes Eigenkapital und hohe Erwerbsnebenkosten – spürbar zu senken. Erwartet wird daher eine Neugestaltung, die Eigentumsbildung in den Mittelpunkt stellt und energiepolitische Ziele mit realer Erschwinglichkeit verbindet.

Oda Scheibelhuber, Staatssekretärin a. D. und Vorsitzende der AG ifs Wohneigentum, formulierte in diesem Zusammenhang eine klare Botschaft: „Viele junge Familien scheitern nicht am monatlichen Kredit, sondern an der Einstiegsschwelle. Umso enttäuschender ist, dass die Bundesregierung bislang keinen Weg eröffnet, die Grunderwerbsteuer für den Ersterwerb spürbar zu senken.“

Die Forderung wird durch internationale Erfahrungen unterstrichen, die Dr. Pekka Sagner, Senior Economist für Wohnungspolitik und Immobilienökonomik am Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V, einbrachte: gestaffelte oder reduzierte Erwerbssteuern für Ersterwerber, staatliche Garantien bzw. Bürgschaften und zielscharfe Sozialdarlehen mit sehr günstigen Zinsen zeigen, wie Kaufnebenkosten und Eigenkapitalanforderungen wirksam gemildert werden können. Solche Ansätze liefern Anknüpfungspunkte für eine Lösung hierzulande, die den Ersterwerb tatsächlich erleichtert.

Der zweite Veranstaltungsteil rückte die Aktivierung des Bestands in den Fokus. Dr. Reiner Braun, Vorstandsvorsitzender der empirica AG, hob das Potenzial von Mieterkaufmodellen hervor, verwies aber auf Hemmnisse durch Eigenkapitalanforderungen und regulatorische Beschränkungen wie Umwandlungsverbote. Zudem brauche es eine Förderlogik, die Bestandskäufe und Eigentumsbildung direkt adressiert – nicht nur energetische Modernisierung. Arnt von Bodelschwingh, Geschäftsführender Gesellschafter von RegioKontext, betonte die Transformationsaufgabe in Ein und Zweifamilienhausgebieten: Viele Haushalte würden zwar durchaus gerne Ihre Wohnsituation an veränderte Lebensverhältnisse anpassen, doch es fehlt an attraktiven Alternativen. Damit der Generationenwechsel gelingt, sind lokale Koordination, passende Unterstützungsstrukturen und vor allem attraktive, barrierearme und quartiersnahe Wohnangebote für ältere Haushalte erforderlich. Nur wenn seniorengerechte Alternativen vor Ort vorhanden sind, werden zu große Eigenheime tatsächlich frei.

In der anschließenden Podiumsrunde mit den Bundestagsabgeordneten Lars Rohwer (CDU/CSU), Hendrick Bollmann (SPD) und Hanna Steinmüller (Bündnis 90/Die Grünen) wurde deutlich: Viele ältere Gebäude entsprechen in Grundriss, Energieeffizienz, Barrierefreiheit oder technischer Ausstattung nicht den Bedarfen von heute. Damit der Bestand für junge Familien wirklich attraktiv wird, müssen neben finanzieller Entlastung auch bauliche und funktionale Anpassungen erleichtert werden – durch planbares Baurecht, unbürokratische Verfahren sowie Förderung, die Modernisierung und familiengerechte Umnutzung gezielt ermöglicht.

Das ifs Wohnungspolitische Forum 2026 zieht damit ein klares Fazit: Eigentumsbildung braucht Priorität. Ohne eine eigenkapitalorientierte Neuausrichtung der Förderpolitik – inklusive wirksamer „Starthilfe Wohneigentum“, praxistauglicher Bürgschaften und spürbarer Entlastung bei der Grunderwerbsteuer für Ersterwerber – sowie eine aktive Bestandsstrategie mit Mieterkauf, lokal koordiniertem Generationenwechsel und der Anpassung von Altbauten an heutige Bedarfe wird es nicht gelingen, Haushalten mit normalen Einkommen den Zugang zu Wohneigentum zu eröffnen und den Wohnraumbedarf nachhaltig zu decken.

Weitere Informationen:

Das ifs Wohnungspolitische Forum ist eine Veranstaltungsreihe des ifs Instituts Wohneigentum im Deutschen Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e. V. und dient dem fachlichen und politischen Austausch zu aktuellen Fragen der Wohneigentumsbildung und Wohnungspolitik.

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