Lotsen für Wohneigentümer können Sanierungsquote steigern

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von Axel Vogt, Leiter Immobilienkunden bei der Investitionsbank Schleswig-Holstein

Im Rahmen der Energiewende kommt der Energieeffizienz eine herausragende Bedeutung zu. Niemand stellt diese Erkenntnis in Frage – bei der Suche nach den richtigen Wegen scheiden sich allerdings die Geister. Bedauerlicherweise gibt es in vielen Fällen auf den ersten Blick oft keinen eindeutigen wirtschaftlichen Gewinner bei Maßnahmen zur Energieeinsparung – sieht man einmal von der Dämmstoffindustrie oder einzelnen Anlagenherstellern ab. Erst auf den zweiten Blick wird erkennbar, dass durch massive CO2-Einsparungen gesamtgesellschaftliche Kosten des Klimawandels wie z. B. für Deicherhöhungen reduziert bzw. eingespart werden können.

Mit aktueller Sanierungsquote kann CO2-Einsparziel nicht erreicht werden

Folgerichtig fördert der Bund zum Beispiel über die KfW Maßnahmen an Gebäuden, in Quartieren und zur Neuausrichtung der Energieversorgung, um diese wirtschaftlich tragfähig umsetzen zu können. Mit Hilfe der Maßnahmen soll das CO2-Einsparziel der Bundesregierung erreicht werden und der CO2-Ausstoß im Gebäudebereich bis zum Jahr 2050 sukzessive um 80 Prozent gesenkt werden. Hierfür wird eine Sanierungsquote von zwei Prozent angestrebt. Im Laufe der vergangenen Jahre hat man zudem erkannt, dass es nicht ausreicht, nur Investitionen zu fördern. Deshalb wurden auch die Konzepterstellung und die energiewirtschaftliche Fachberatung in den Förderkanon aufgenommen. Die aktuelle Sanierungsquote von Gebäuden von rund einem Prozent macht allerdings deutlich, dass es mit der bisherigen Förderung nicht möglich sein wird, das Einsparziel zu erreichen. Reflexartig wird auf Basis dieser Erkenntnis eine Aufstockung der Bundesmittel für die Investitionsförderung verlangt.

Aktivierung der Privateigentümer entscheidend

Bisherige Erfahrungen mit Privateigentümern, also Selbstnutzern oder Vermietern weniger Wohneinheiten, zeigen aber eine andere Problematik auf. Der Knackpunkt liegt nämlich in erster Linie darin, die eher abwartenden Privateigentümer von einer energetischen Sanierung zu überzeugen, damit sie die schon bestehenden Fördertöpfe überhaupt in Anspruch nehmen. Neben objektiven Kriterien der Zurückhaltung, etwa wenn sich die Sanierung aufgrund der noch laufenden Nutzungsdauer noch nicht rentiert, haben die Eigentümer viele diffuse Vorbehalte. Vor allem diese müssen überwunden werden, um eine signifikant erhöhte Sanierungsquote zu erreichen. So befürchten Kleinvermieter z. B. Mietminderungsforderungen und Auseinandersetzungen mit ihren Mietern, wenn sie ihnen den Dreck und Lärm der Umbaumaßnahmen zumuten. Auch gegenüber neuen, hochtechnisierten Anlagen, die man eventuell nicht selbst steuern kann, gibt es Widerstand.

Persönliche Beratung durch einen Sanierungslotsen sinnvoll

Diese Unsicherheiten lassen sich nicht durch eine energiewirtschaftliche Fachberatung beseitigen. Vielmehr braucht diese Zielgruppe persönliche, eventuell auch finanzielle Unterstützung, empfinden doch viele Eigentümer die Antragstellung von Fördermitteln als kompliziert. Sinnvoll wäre deshalb die Einrichtung eines wirklichen Sanierungslotsen für Immobilieneigentümer. Der Lotse übernähme eine Vielzahl von Aufgaben, die direkt auf die Privateigentümer ausgerichtet sind. Personen in dieser Funktion könnten zunächst ein Investitionsinteresse wecken und bei der Auswahl von Energieberatern, Architekten und Ingenieuren unterstützen. Auch die Hilfe bei der Beantragung von Fördermitteln und der Erfüllung von Berichtspflichten würden dazu zählen. Dies geht weit über die derzeit zu leistenden Aufgaben des Sanierungsmanagements im Rahmen des KfW-Programms „Energetische Stadtsanierung“ oder des Energieberaters hinaus.

Vergütung in Anlehnung an den eingesparten CO2-Ausstoß

Da nicht zu erwarten ist, dass Immobilieneigentümer bereit sind, für entsprechende Leistungen eines Sanierungslotsen zu zahlen, und sofern es keine andere Branche gibt, die einen Sanierungslotsen interessenneutral finanziert, müsste die Aufgabe öffentlich getragen werden. Die Finanzierung ist durch die zusätzlichen Steuereinnahmen einer erhöhten Sanierungsquote und die eingesparten gesamtgesellschaftlichen Kosten zu begründen. Die Vergütung könnte sich etwa an der absoluten Menge des eingesparten CO2-Ausstoßes in Folge der realisierten Effizienzmaßnahmen orientieren und nach erfolgten Investitionen ausgezahlt werden. Damit ist sichergestellt, dass der Staat auch nicht mehr ausgibt als er über erhöhte Steuermaßnahmen durch private Investitionen einnimmt. Sicherlich wäre ein Sanierungslotse kein eigenständiges Berufsbild. Mitarbeiter von Sanierungsträgern, Verbraucherzentralen oder Eigentümerverbänden beispielsweise könnten aber aufgrund ihres fachspezifischen Zugangs zur Zielgruppe für eine solche Tätigkeit in Frage kommen.

Rolle des Lotsen in AG Energie diskutiert

Mit der Einführung eines Sanierungslotsen bliebe es nicht nur bei einem Appell an die Eigentümer, tätig zu werden. Vielmehr würden diese „handfest“ von Personen unterstützt, die ein Eigeninteresse an Investitionen haben. Der Deutsche Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e. V. hat sich in seiner Arbeitsgruppe „Energie, Immobilien und Stadtentwicklung“ intensiv mit der Rolle eines möglichen Sanierungslotsen auseinandergesetzt. Künftig wird er diese Idee weiter konkretisieren, um zu einer erhöhten Sanierungsrate und damit zum Erreichen der Klimaziele beizutragen.

Arbeitspapier der AG Energie

Die AG Energie hat zur Aktivierung privater Wohnimmobilieneigentümer im Rahmen von Quartiersansätzen ein Arbeitspapier erstellt, das sich mit den unterschiedlichen Hemmnissen und der differenzierten Eigentümersituation auseinandersetzt. Darauf aufbauend werden konkrete Vorschläge für eine bessere Ansprache und Motivation gemacht.

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