Klimaschutz: Energieerzeugung und -einsparung im Quartier kombinieren

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Energiewende

DV reagiert auf Ankündigung der Vonovia, energetische Sanierungen zurückzufahren

Berlin, 6. Dezember 2018. Die Klimaschutzziele können wir bei Gebäuden nur erreichen, wenn wir die Energieeinsparung mit dem Einsatz erneuerbarer Energien im Quartier kombinieren, meint der Deutsche Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V. (DV). Damit reagiert der DV auf die Ankündigung der Vonovia, ihre Modernisierungsinvestitionen deutlich zurückzufahren. Mit den Effizienzstandards und Fördermechanismen seien umfassende energetische Modernisierungen nicht wirtschaftlich darstellbar, ohne die Mieter über Gebühr zu belasten, so das Wohnungsunternehmen. Der DV argumentiert, dass die Einsparung von Treibhausgas-Ausstoß zum zentralen Bewertungskriterium werden muss. Dies werde allerdings bislang weder durch das Energieeinsparrecht noch durch die Förderung ausreichend ermöglicht. Es ist deshalb höchste Zeit, dass die Bundesregierung dies bei der aktuellen Gestaltung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) ändert und dieser Punkt auch in das Klimaschutzgesetz Eingang findet, das derzeit in Vorbereitung ist. Der DV hat dazu unter Leitung von Prof. Dr. Dr. Klaus Töpfer in seiner Arbeitsgruppe Energie bereits Empfehlungen erarbeitet. Mit seiner fachlichen Plattform aus Immobilienwirtschaft, Energieversorgern, Bund, Ländern und Kommunen wird er nun Vorschläge einbringen.

„Der Rückzug des größten deutschen Vermieters mit 400.000 Wohnungen aus umfassenden Modernisierungen ist ein Tiefschlag für den Klimaschutz. Schon seit Längerem kommt die energetische Gebäudemodernisierung nicht ausreichend in Schwung. Dies liegt daran, dass die Energieeinsparverordnung (EnEV) und die Förderung zu einseitig auf Effizienz ausgerichtet sind. Um die Klimaschutzziele wirtschaftlich und sozialverträglich zur erreichen, brauchen wir mehr Flexibilität zwischen Effizienzmaßnahmen und dem Einsatz erneuerbarer Energien. Schaffen können wir dies vor allem durch integrierte Quartierslösungen,“ sagt Michael Groschek, Präsident des DV und ehemaliger Bauminister von Nordrhein-Westfalen. Das Quartier muss als Handlungsebene noch mehr in den Mittelpunkt rücken. Dort lässt sich die gesamte Bandbreite an Technologien zur regenerativen Energieerzeugung und zur Energieeinsparung optimal einsetzen und kombinieren. Von Quartier zu Quartier kann dies anders aussehen: Ausschlaggebend sind die die Eigentumsverhältnisse, die Baustruktur, das Alter und der Zustand der Gebäude, ebenso wie die Energieinfrastruktur sowie die Möglichkeiten, erneuerbare Energien einzusetzen.

Die Zusammenlegung von EnEV und Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) in das neue Gebäudeenergiegesetz müsste einen Systemwandel vollziehen, den der vorliegende Entwurf nicht vorsieht. Die Einsparung von Treibhausemissionen sollte zum zentralen Kriterium für eine ganzheitliche Bewertung energetischer Modernisierungen werden – alternativ zu den bisherigen Parametern Transmissionswärmeverlust und Primärenergieverbrauch. Dies würde die Möglichkeiten erweitern, überambitionierte und damit unwirtschaftliche Effizienzmaßnahmen am Gebäude durch eine CO2-arme Versorgung mit erneuerbaren Energien auszugleichen. Außerdem müssen energetische Quartiersansätze im GEG stärker verankert werden, vor allem aber in der darauf aufbauenden Förderung. Der Entwurf des GEG bietet dazu zwar bereits erste Ansatzpunkte, geht aber noch nicht weit genug. Der DV wird mit seinen Mitgliedern nun daran arbeiten, Vorschläge für eine entsprechende Ausgestaltung des GEG einzubringen.

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