Die EU-Gemeinschaftsinitiative URBAN - Impulse für die Städte
Europas
Entstehungshintergrund
Die europäischen Städte stehen aufgrund struktureller
Veränderungen, wie der Verstärkung des globalen Wettbewerbs und
dem sozio-ökonomischen Strukturwandel, vor schwierigen
Herausforderungen. Zu den Folgen dieser Veränderungen gehören
u.a. der Verlust von Arbeitsplätzen in den traditionellen
Industrien und in den Wirtschaftszweigen des verarbeitenden
Gewerbes sowie die zunehmende Bedeutung von weniger in der
lokalen Wirtschaft verankerten Branchen, wie z.B. dem Finanz-
und Dienstleistungssektor. Resultat sind wirtschaftliche,
soziale und räumliche Segregationsprozesse, von denen vor allem
innerstädtische Quartiere betroffen sind. Durch die prekäre Lage
der öffentlichen Haushalte und einer damit verbundenen
eingeschränkten kommunalen Handlungsfähigkeit können die
komplexen städtischen Problemfelder oft nicht adäquat angegangen
werden.
Auf diese Herausforderung reagierte die Europäische
Kommission 1994, indem sie durch die Gemeinschaftsinitiative
URBAN versucht, innovative Lösungsansätze für diese Problematik
zu finden. Ziel von URBAN ist es, Fördermittel in
krisenbetroffenen Stadtteilen zu konzentrieren, für die ein
innovativer und integrierter Handlungsansatz zur Lösung von
kumuliert auftretenden Problemen, wie hoher Arbeitslosigkeit,
ungenügender sozialer Infrastruktur, schlechter
Umweltbedingungen oder hoher Kriminalität, verfolgt wird.
Die erste URBAN-Generation von 1994 bis 1999
Im Zeitraum von 1994 bis 1999 nahmen über 118 europäische
Stadtgebiete an der Gemeinschaftsinitiative URBAN I teil. Das
europäische Finanzvolumen betrug insgesamt 740 Millionen Euro
und wurde aus dem Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) und dem
Europäischen Sozialfonds (ESF) bereitgestellt.
Das Programm stieß auch in Deutschland und Österreich auf große
Resonanz. Nach einem Auswahlverfahren konnten benachteiligte
Stadtgebiete in den zwölf deutschen Städten Berlin, Brandenburg
an der Havel, Bremen, Chemnitz, Duisburg, Erfurt, Halle an der
Saale, Kiel, Magdeburg, Rostock, Saarbrücken und Zwickau
Fördermittel in Höhe von insgesamt 110 Millionen Euro erhalten.
In Österreich wurden die beiden Städte Graz und Wien mit
EU-Mittel in Höhe von 13,3 Mio. Euro unterstützt.
URBAN II im Förderzeitraum 2000 bis 2006
Die Besonderheiten der Gemeinschaftsinitiative URBAN - die
integrierte und kleinräumige Vorgehensweise und die Möglichkeit
der Bündelung von Mitteln und Maßnahmen in den Problemquartieren
- stellte sich als geeigneter Ansatz zur Lösung der städtischen
Problemfelder heraus. Für den Förderzeitraum 2000 bis 2006
werden deshalb im Rahmen von URBAN II 728,3 Mio. Euro zur
Verfügung gestellt, die ausschließlich aus dem EFRE finanziert
werden. Wie bereits bei URBAN I soll durch die konzentrierte
Förderung einer beschränkten Zahl von Stadtquartieren ein
möglichst hoher lokaler Effekt erzielt werden. Der Einsatz der
Fördermittel erfolgt in den insgesamt 70 europäischen Städten projektbezogen und konzentriert auf krisenbetroffene Stadtteile.
Für eine Förderung im Rahmen von URBAN II wurden wiederum
zwölf deutsche Programmgebiete in den Städten Berlin,
Bremerhaven, Dessau, Dortmund, Gera, Kassel, Kiel, Leipzig,
Luckenwalde, Mannheim/Ludwigshafen, Neubrandenburg und
Saarbrücken sowie in den beiden österreichischen Städten Graz
und Wien ausgewählt. Insgesamt stellt URBAN II in Deutschland
rund 148,7 Mio. Euro und in Österreich 8,4 Millionen Euro zur
Verfügung.
Die Umsetzung der URBAN-Initiative erfolgt auf Basis
integrierter Entwicklungsprogramme, die in die Gesamtstrategie
der Stadt eingebettet sind und an deren Realisierung möglichst
viele für die Entwicklung des Stadtteils relevante Akteure
mitwirken sollen, den sogenannten "PGIs" (Programme
Gemeinschaftsinitiative).
Da die Förderung der Gemeinschaftsinitiative URBAN aus dem
Innovationstopf des EFRE finanziert wird, müssen bei den
einzureichenden Stadtentwicklungs- und
Stadterneuerungsprogrammen die innovativen Aspekte im Vergleich
zu URBAN I noch stärker hervortreten. Insbesondere der Mehrwert
der geförderten Projekte im Vergleich zur europäischen
Regelförderung sowie deren Pilotfunktion für die europäische
Stadtentwicklung hat an Bedeutung gewonnen.
Neben der Durchführung konkreter Projekte soll dem Austausch
von Informationen und Erfahrungen im Rahmen von URBAN II
weiterhin eine besondere Bedeutung zukommen. Zusätzlich zum
nationalen Erfahrungsaustausch, der bereits unter URBAN I
stattgefunden hatte und weitergeführt werden wird, will die
Europäische Kommission verstärkt Aktionen auf europäischer Ebene
initiieren und will das europäische "Networking" mit insgesamt
15 Mio. Euro finanzieren.
Weitere Informationen zur Gemeinschaftsinitiative URBAN und
zur europäischen Städtepolitik finden Sie auf der Internetseite
der Generaldirektion Regionalpolitik unter http://europa.eu.int/comm/regional_policy/urban2/index_en.htm.
Die Leitlinien der Europäischen Kommission zur GI URBAN für
die Gemeinschaftsinitiative URBAN II im Zeitraum 2000-2006
finden Sie unter http://europa.eu.int/comm/regional_policy/sources/docoffic/official/guidelines/urban_en.htm
Ansprechpartner:
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Dr. Lothar Blatt
Leiter des Deutsch-Österreichischen URBAN-Netzwerkes und Repräsentant
des DV e.V. in Brüssel
Fon (00 32) 25 50 16 10
E-Mail: l.blatt@deutscher-verband.org |
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