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Paradigmenwandel in der Stadt-, Standort- und Projektentwicklung:
Lehren für die Zukunft
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6. Das Curriculum
Eckpunkte des Curriculums sind:
- Eine klare Zielgruppendefinition. Adressaten sind die Wirtschaft
und der Öffentliche Sektor und die Hochschulen selbst.
- Die Fokussierung auf die "Kunden", nämlich die zukünftigen
Arbeitgeber der Studenten und die Studenten selbst.
- Die interdisziplinäre, thematische Vernetzung der
Lehrinhalte.
- Der systemische Ansatz mit besonderer Respektierung der
unterschiedlichen Stakeholderinteressen Planungshoheit,
Grundstückseigentümer, Finanzier und Nutzer.
- Dynamisch, modular aufgebaut. Es ermöglicht die Lehre analog der
Prozesskette der Standortentwicklung aufzubauen. Module können je nach
Erfordernis der Zielgruppe hinzugefügt oder weggelassen werden.
- Bearbeitung praxisbezogener Projekte aus dem Umfeld der Förderer.
Projekte werden als ex Post-Analysen und ex ante-Konzeptionen
erarbeitet.
- Die Vernetzung von Forschung, Lehre und Projektarbeit.
- Dialogische Fortschreibung im Dialog zwischen der öffentlichen
Verwaltung, der Wirtschaft und den Hochschulen.
Das so entwickelte Curriculum stellt ein Novum in der in der
Hochschul-Bildung dar. Seine Umsetzung in der Hochschule ist daher nicht
unproblematisch.
7. Umsetzung des interdisziplinären Studienganges an der Hochschule
- Freiheit von Forschung und Lehre
Die im Hochschulrecht verankerte Freiheit von Forschung und Lehre ist
keine gute Voraussetzung für interdisziplinäre Kooperation mehrerer
Professoren, Fakultäten oder gar Hochschulen. Der Hochschulleitung
stehen sehr beschränkte Möglichkeiten zur Verfügung, Professoren oder
Fakultäten in ihrer Hochschule zu interdisziplinärer Kooperation zu
veranlassen oder sie gar anzuordnen. Andererseits war zu beobachten,
dass Initiativen einzelner Professoren ohne Unterstützung der Fakultät
oder der Hochschulleitung ins Leere gingen. Die notwendige,
interdisziplinäre Kooperation von Professoren oder Fakultäten
geschieht daher stets auf freiwilliger Basis. Prof. Schulte, Euroepean
Business School, veranlaßte dieses Phänomen zu folgender Feststellung:
"Es bedarf eines neuen Typus Hochschullehrer" (also desjenigen, der
auf seine Freiheit in Forschung und Lehre insoweit verzichtet und sich
freiwillig zu einer inhaltlich und zeitlich abgestimmten Lehre Dritten
gegenüber verpflichtet).
- Ohne Lehrstuhl kein neuer Studiengang
Die Ansprechpartner in den Hochschulen forderten tradiertem Denken
folgend anfänglich stets für die Installation des Studienganges einen
neuen Lehrstuhl. Dieser sollte wegen der knappen finanziellen
Ressourcen an der Hochschule vorzugsweise als Stiftungs-Lehrstuhl
finanziert werden.
- Keine geeigneten Professoren
Historisch hatte sich gezeigt, dass dort, wo solche Lehrstühle von der
Wirtschaft finanziert wurden, geeignete Professoren mit der
geforderten, interdisziplinären, systemischen und prozessorientierten
Kompetenz nicht gefunden werden konnten. Dies hat eine innere Logik:
Im Gegensatz zu anderen Europäischen Hochschulen, etwa in den
Niederlanden oder in angelsächsischen Ländern findet an deutschen
Hochschulen interdisziplinäre, systemische und/oder prozessorientierte
Forschung und Lehre zu nachhaltiger Stadt- Standort– und
Projektentwicklung nicht statt. Geforscht und gelehrt werden
allenfalls sektoral technische, wirtschaftliche oder juristische
Erkenntnisgegenstände. Dissertationen und Habilitationen befassen sich
daher nicht mit den gegenständlichen Themen. Sie behandeln vielmehr
Themen aus der Tiefe einer Disziplin, nicht aber – wie es nötig wäre –
Querschnittsthemen.
Bewerber mit traditionellen Hochschulkarrieren mit ihrer, in der Tiefe
einer Disziplin fußenden Wissen, sind für die Besetzung solcher
Lehrstühle daher problematisch, da ihr Blickwinkel sektoral und nicht
querschnittsorientiert ist. Mithin ist das Phänomen der Autodidakten
auch erklärt. Die Ursache, warum auch in der Praxis häufig die
erforderliche Querschnittskompetenz in Stadtplanung, Architektur,
Ingenieurwesen, Ökonomie, Öffentlichem, Zivil- und Steuerrecht fehlt
ist beschrieben.
- Vorhandene Ressourcen werden nicht genutzt
Andererseits zeigte sich, dass an Hochschulen vorhandene Ressourcen
schlummern, die lediglich einer freiwilligen Kooperation von
Fakultäten oder Professoren einerseits, Experten der Wirtschaft und
der öffentlichen Verwaltung andererseits bedürften, um
Interdisziplinarität und systemische Ansätze zu ermöglichen.
- Der "Virtuelle" Lehrstuhl
Die Synthese aus Defizit und Potential bestand in der Konzeption eines
"virtuellen Lehrstuhles". Er besteht aus einer funktionalen und einer
institutionellen Komponente.
Die funktionale Komponente wird durch die freiwillig kooperierenden
Hochschullehrer mehrerer Disziplinen oder Fakultäten sowie Experten
aus der Praxis dargestellt.
Die institutionelle Komponente wird erreicht durch
- ein verschultes, themenorientiertes Curriculum, in dem die
Lehrinhalte auf die Semesterstunde herunter gebrochen werden
- regelmäßige Dozentenkonferenzen, in denen die Lehrinhalte
thematisch, inhaltlich und zeitlich vernetzt werden
- systemisch angelegte Erfolgskontrollen in Form der Präsentationen
der Projektarbeiten (Sind die Lehrinhalte Qualitativ und Quantitativ
vermittelt und Verstanden worden?)
- die Koordinierungsstelle in Person eines akademisch und praktisch
gebildeten Studiengangleiters, Er gewährleistet aufgrund seiner
theoretischen Ausbildung in einer Disziplin und seiner ergänzenden
praktischen Erfahrung in den anderen Disziplinen die essentiell
notwendige Querschnittskompetenz. Er steuert nach innen (Dozenten) und
außen (Studenten, Stakeholder, Förderer)
- Ignoranz und Hybris
Erschreckend waren Ignoranz und Hybris einiger Ansprechpartner an den
Hoch-schulen. Nicht wenige wollten zum einen nicht wahr haben, dass
die zu behandelnden Erkenntnisgegenstände nicht in der Tiefe einer
(Ihrer) Disziplin, sondern in der Vernetzung mehrerer (ihrer und
anderer) Erkenntnisgegenstände auf relativ niedriger Tiefe der
jeweiligen Disziplin oder im jeweiligen Fachbereich liegen. Zum
anderen taten sie sich schwer wahrzunehmen, dass zahlreiche - oft
längst - in anderem Zusammenhang wissenschaftlich behandelte Themen,
in der gegenständlichen Thematik einer näheren Betrachtung bedürften
und sich so nicht nur in der Standortentwicklung sondern auch aus
wissenschaftlicher Sicht qualitatives Wachstum generieren ließe. Nur
einige seien hier beispielhaft aufgezählt
- Erkenntnisse der Institutionenökonomik und Spieltheorie wenn es
darum geht, PPP-Modelle und das systemische Zusammenwirken von
Planungshoheit, Grundstückseigentümern, Finanziers und Nutzern zu
strukturieren, transparent zu machen und letztlich zu optimieren.
-
Benchmarking: wenn es darum geht, Wissen zu managen, lernende
Organisationen zu schaffen, die Prozesse zu verbessern und sie mit
technischen und wirtschaftlichen Metriken kybernetisch zu gestalten.
-
Balanced Score Card: wenn es darum geht, interdisziplinäre und
gleichzeitig systemisch ausgewogene Ziele zu formulieren und damit die
Prozesse für alle Beteiligten in Wirtschaft und Öffentlichem Sektor
effizienter zu gestalten.
- Marktforschung: wenn es darum geht nutzerorientierte Produkte zum
richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort in der richtigen Qualität zu
entwickeln und mit geringeren Risiken zu vermarkten.
- Workflowmanagement: wenn es darum geht die Prozeßsicherheit zu
verbessern und die Beiträge der beteiligten Disziplinen inhaltlich und
zeitlich zu koordinieren.
- Unternehmensführung und Personalmanagement: wenn es darum geht das
spezifische Problem projektorientierter Prozesse personell und
strukturell zu optimieren.
- Riskmanagement: wenn es darum geht die nach Basel II geforderten
Risiken transparent und beherrschbar zu machen.
- Informatik: wenn es darum geht die Prozesse so zu gestalten, dass
aus virtuellen Realitäten "top down" Pläne und Metriken generiert
werden
- durch die die erforderlichen disziplinären Beiträge sichtbar werden,
- die Stakeholder von Anfang an motiviert werden, sich mit dem Produkt
zu identifizieren
- Schnittstellenprobleme reduziert und gleichzeitig Prozesse verkürzt
werden können.
- Enges Korsett, das die Verwaltung der Fakultät anlegt
Gelegentlich war der unternehmerische Ansatz einer Fakultät als Träger
für des Postgraduate Studienganges wegen des engen Korsetts, das die
Verwaltung den auferlegt hat (anlegen musste?) infrage gestellt. Dies
betraf
- den Ressourceneinsatz (Verfügungsstellung von Hörsälen,
Arbeitsräumen, Arbeitsmitteln),
- die Mittelverwendung, die von der Wirtschaft zur Verfügung gestellt
wurden (Drittmittel),
- die Höhe der Hörgelder und ihre Verwendung,
- insbesondere auch die Honorierung der Dozenten. (der übliche Satz
von 35 € pro akademische Stunde ist wenig geeignet, Experten aus der
Wirtschaft für Veranstaltungen und Vorträge zu gewinnen)
- Unterschiedliche Interessenlagen, Gleichzeitigkeit
Die zeitgleiche, identische Interessenlage mehrerer beteiligter
Fakultäten an einer Hochschule sich mit dem Vorhaben
auseinanderzusetzen und zu kooperieren war unter den beteiligten
Fakultäten, der Wirtschaftswissenschaft, Fakultäten für
Bauingenieurwesen, Stadtplanung und Architektur und juristischen
Fakultäten nie anzutreffen.
- Fehlende Erfahrungen im Hochschulmarketing
Der konzipierte Studiengang muß professionell in einem spezifisch
dafür entwickelten Marketing Mix vermarktet werden. Alleine die
Vorstellung der Förderer aus der Wirtschaft die so zu handhaben, stieß
auf Unverständnis. Dabei zeigte sich, dass dort, wo dies geschah,
Studenten nicht nur geworben, sondern nach bestimmten Kriterien
selektiert werden konnten
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