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Der Stadt gehört die Zukunft - Lobbying in der Wohnungs- und
Immobilienwirtschaft
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Dr. Hans-Michael Brey, Generalsekretär des DV |
Von Dr. Hans-Michael Brey, Generalsekretär, Deutscher Verband für
Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V., Berlin
"Nicht nur die Ökonomisierung der Immobilienwirtschaft ist im vollen
Gange, sondern auch die Bereitschaft der Unternehmen und der
öffentlichen Hand zum Wohle ihrer Stadt gemeinsam zu handeln", so
Hermann Marth, Vorsitzender Vorstand RAG Immobilien AG, auf dem Forum
Stadtumbau: Demografischer Wandel - neue Anforderungen an Staat und
Markt in Essen, welches vom Deutschen Verband für Wohnungswesen,
Städtebau und Raumordnung, der RAG Immobilien AG und dem Ministerium für
Bauen und Verkehr des Landes NRW im Herbst des vergangenen Jahres
durchgeführt wurde. So schafft die RAG mit Partnern im Ruhrgebiet zum
Wohle der Menschen lebenswerte urbane Zentren, modernisiert den
Wohnungsbestand und passt ihn an die Herausforderungen des 21.
Jahrhunderts an. Das geschieht unter Beachtung des
betriebswirtschaftlich Notwendigen. Die öffentliche Hand überdenkt ihre
Subventionsstrategien dahingehend, so Städtebauminister Oliver Wittke,
dass öffentliche Investitionen möglichst viele private Investitionen
nach sich ziehen.
Diese Neuausrichtung von Politik findet zu einer Zeit statt, in der die
Veränderungen der Lebenswirklichkeiten in Europa ein Ganzes bilden: die
alternde und zahlenmäßig abnehmende Bevölkerung, das Erstarken der
Produktionsfaktoren Wissen und Kapital, die Veränderung der
Erwerbsarbeit, der sich ändernde Bedarf an industriell tätigen
Arbeitskräften, die Entstaatlichung des Sozialen und die
Wiederentdeckung des Wettbewerbsprinzips. Diese Veränderungen wirken
sich auf die Immobilien- und Wohnungspolitik, die Städtebau- und die
Raumordnungspolitik aus. Zeitgleich werden Immobilien zu einer
Vermögenskategorie, die mit anderen Anlageformen konkurriert.
Beeinflusst werden die Politikfelder durch volkswirtschaftliche
Rahmenbedingungen, die durch ein moderates Wirtschaftswachstum und eine
öffentliche Hand charakterisiert sind, die über einen geringen
finanziellen Spielraum verfügt.
Dies mündet in den Fragen, welche Lobby und wie viel Verbände braucht
die Immobilienwirtschaft? Für eine Antwort sollte man sich auf die
klassischen Verbandsaufgaben besinnen und die Besonderheiten der
Immobilienwirtschaft benennen. Verbände sind freiwillige
Zusammenschlüsse selbständiger Entscheidungsträger zur Durchsetzung
ähnlicher Wertvorstellungen. Dies geschieht über die Vermittlung von
Informationen sowie die Realisierung von Aktionen. Unter dem Begriff der
Immobilienwirtschaft werden jene Unternehmen und Einrichtungen
zusammengefasst, die auf den Handel und die Betreuung von Grundstücken
bzw. von bodengebundenem Realkapital sowie die Realisierung von
Beständen dieser beiden Komponenten ausgerichtet sind. Die Heterogenität
im Bereich der Immobilienwirtschaft ist beachtlich und seit kurzer Zeit
liegt ein Gutachten vor, das die volkswirtschaftliche Bedeutung der
Immobilienwirtschaft analysiert hat. Somit wird verständlich, dass es im
Bereich der Immobilienwirtschaft viele Verbände geben muss. Des Weiteren
beschäftigen sich zahlreiche Verbände mit immobilienwirtschaftlichen
Fragen, ohne sich als immobilienwirtschaftliche Verbände zu verstehen;
so etwa die Interessenvertretungen der Gebietskörperschaften. Die Frage
nach der optimalen Verbandszahl lässt sich daher nicht beantworten.
Aufgrund der Ökonomisierung der Immobilienwirtschaft lässt sich aber
folgern, dass Verbände miteinander verschmolzen werden, um Kosten zu
sparen. Die Frage, welche Lobby braucht die Immobilienwirtschaft lässt
sich präziser beantworten: Eine besondere Rolle bei der Politikberatung
spielen die Dachverbände, so wie der Deutsche Verband einer ist. Seit
1946 dient der Verband in seiner anerkannten Überparteilichkeit und
praxisorientierten Arbeitsweise als neutrale Plattform. Ziel ist es, die
maßgeblichen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung,
Rechtsprechung und aus der Wissenschaft sowie verwandten Verbänden zu
einem ständigen Erfahrungs- und Gedankenaustausch zusammenzuführen. In
seinem Bemühen, divergierende Interessen zu bündeln, dient der Verband
dem Deutschen Bundestag (dem zuständigen Ausschuss für Verkehr, Bau- und
Wohnungswesen), der Bundesregierung, dem Bundesministerium für Verkehr,
Bau- und Wohnungswesen sowie verwandten Verbänden und der Europäischen
Kommission als Clearingstelle. Verbände wie dieser werden zu einer
Plattform des Informationsaustausches und der Politdiskussion. Die
Interessen von Einzelverbänden treten zurück, das Kriterium der
Tragfähigkeit von Argumenten gewinnt an Bedeutung. Wie wichtig der
Aspekt der Belastbarkeit von Argumenten für die Immobilienwirtschaft
wird, machen zwei Entwicklungen auf nationaler und europäischer Ebene
deutlich: Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung "Gemeinsam
für Deutschland - mit Mut und Menschlichkeit" vom 11.11.2005 bekennt
sich zu einer Stadtentwicklung, die im Sinne einer modernen Struktur-
und Wirtschaftspolitik funktioniert. Hierbei sollen öffentliche und
private Mittel stärker als bisher miteinander verschmolzen werden.
Ferner wird die Internationalisierung der Wohnungswirtschaft in die
nationale Stadtentwicklungspolitik integriert. In Vorbereitung auf die
künftige Strukturfondsperiode 2007 bis 2013 der Europäischen Union
zeichnet sich bei der Europäischen Kommission eine ähnliche Entwicklung
ab, in der die Stadtentwicklung zur Querschnittsaufgabe avanciert, und
somit die Belange der Struktur- und Wirtschaftspolitik sowie der Bau-
und Immobilienwirtschaft auf sich vereinigt. Hinzu kommt, dass nicht nur
die öffentlich-private Zusammenarbeit gestärkt werden soll, sondern auch
europäische Fördermittel mit privatwirtschaftlichen Mitteln verkoppelt
werden können. Lobbypolitik auf europäischer wie auf nationaler Ebene
wird somit nur erfolgreich sein, wenn die Interessen eines bestimmten
Wirtschaftsbereiches Partikularinteressen desselben domestizieren. Dies
ist die Stunde der Dachverbände. Ihre Reputation hängt davon ab, wie sie
zu soliden Informationssammel- und -bewertungsstellen werden und sich
ein kalkulierbares Profil verschaffen. Wie in den meisten
Dienstleistungsbreichen verlangt dies eine Politik des langen Atems
sowie eine verlässliche Zusammenarbeit mit politischen
Entscheidungsträgern. Der Deutsche Verband steht für eine solche
Position: Sein Profil kann im Sinne eines pragmatischen Liberalismus
gedeutet werden.
Dr. Hans-Michael Brey. Studium der Politikwissenschaft, der Neueren
Geschichte, der Soziologie und des Städtebaus in Bonn und Southampton.
Nach verschiedenen Tätigkeiten im In- und Ausland seit dem 01.01.2001
Generalsekretär des Deutschen Verbandes für Wohnungswesen, Städtebau und
Raumordnung e.V. Berlin / Brüssel.
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