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Kommission des Deutschen Verbandes "Ökonomisierung der
Wohnungs- und Immobilienwirtschaft" legt Abschlussbericht vor
Von Gernot Mittler,
Staatsminister a. D., Präsident Deutscher Verband
Der Verkauf kommunaler Wohnungsunternehmen beschäftigte
in den letzten sieben Jahren Politik, Wirtschaft und Bürger
gleichermaßen. Zwischen 1999 und 2006 wurden etwa 1,4 Millionen
Wohnungen im Rahmen von 20 Wohnungstransaktionen gehandelt. Hieraus
ergaben sich Veränderungen in der Eigentümerstruktur, die in ihren
Auswirkungen nicht abschließend eingeschätzt werden konnten. Per saldo
haben die Kommunen etwa 200.000 Wohnungen verkauft (vgl. dazu die
Tabelle). Die Transaktionen sind ein Beleg für die Renditeerwartungen
ausländischer Investoren auf dem deutschen Wohnungsmarkt. Sie stützen
sich auf eine moderate Entwicklung der Immobilienpreise, ein geringes
Risiko im Vergleich zu anderen Ländern sowie stabile wirtschaftliche und
soziale Bedingungen. Ein weiterer Faktor für die Erwerber war das
Zinsniveau, das lange Zeit auf einem niedrigen Stand verharrte. Trotz
der positiven wirtschaftlichen Gesamtsicht ausländischer Investoren
haben die Transaktionen Unsicherheiten im Inland ausgelöst und Fragen zu
den sozialen Implikationen aufgeworfen.
Daher hat das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
die Kommission "Ökonomisierung der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft"
unter der Leitung des Deutschen Verbandes im Jahr 2006 ins Leben
gerufen. Die Kommission hat den Auftrag, die Veränderungsprozesse auf
den deutschen Wohnungsmärkten zu beschreiben und zu bewerten. Mitgewirkt
haben Partner aus Bund, Ländern und Gemeinden, aus der Wohnungs- und
Immobilienwirtschaft, der Kreditwirtschaft, den kommunalen
Spitzenverbänden sowie dem Deutschen Mieterbund. Aufgebaut wird auf dem
Koalitionsvertrag. Dieser besagt, dass die Bundesregierung "die
Internationalisierung der Wohnungswirtschaft hinsichtlich der damit
verbundenen sozialen, städtebaulichen und bauwirtschaftlichen
Auswirkungen sorgfältig analysiert". Kommunen, die einen Verkauf bzw.
einen Teilverkauf ihrer Bestände erwägen, soll der vorliegende Bericht
Orientierungshilfe sein.
Im Fokus standen die Fragen, ob die kurz- bis mittelfristig angelegten
Geschäftsmodelle der Finanzinvestoren mit einer nachhaltigen
Bewirtschaftung von Immobilien und mit Fragen der Stadtentwicklung
vereinbar sind.
Wird die Frage nach der Bewirtschaftung von Immobilien aufgeworfen, so
ist zu konstatieren, dass sich die Strategien der Finanzinvestoren
unterscheiden. Im Rahmen der Kommission war es nur möglich, typisierte
Verhaltensweisen zu analysieren. Zudem ist eine endgültige Beurteilung
aufgrund des kurzen Erfahrungszeitraumes noch nicht möglich. Strategien
zur kurzfristigen Gewinnmaximierung könnten darin bestehen, stille
Reserven zu heben, das Eigenkapital der Bestände zu reduzieren bzw.
durch Fremdkapital zu ersetzen, Mieterhöhungsspielräume auszuschöpfen
und die Instandhaltung zu vernachlässigen. In Einzelfällen mag die
Strategie aufgehen, sie stößt aber an Grenzen. Durch vernachlässigte
Instandhaltung und unterlassene Modernisierung verringern sich
Vermietungschancen. Der Wert des Unternehmens sinkt. Dies erschwert den
Weiterverkauf des Unternehmens oder einzelner Wohnungspakete zu
attraktiven Preisen. Kurzfristig höhere Gewinne werden daher durch
Vermögensverluste relativiert. Steigende Zinsen und Zuschläge für
risikobehaftete Kredite haben bereits dazu geführt, dass das Interesse
der Finanzinvestoren, zu hohen Preisen zu kaufen, nachgelassen hat.
Langfristige Betrachtungen rücken stärker in den Fokus.
Ferner ist zu konstatieren, dass die Mieterrechte durch den Verkauf von
Unternehmen nicht beeinträchtigt werden. Auch für Erwerber gelten das
Mietrecht und der Kündigungsschutz. Hinzu tritt der wirtschaftliche
Schutz: Die Erwerber von Beständen, die ein langfristiges Engagement
planen, wissen, dass nur zufriedene Mieter eine geringe Fluktuation und
einen stabilen langfristigen Ertragsstrom gewährleisten.
Mit Blick auf die kommunale Wohnraumversorgung ist festzustellen, dass
bei einem Saldo von rund 200.000 verkauften kommunalen Wohnungen die
quantitative Bedeutung der Verkäufe kommunaler Wohnungsunternehmen eher
gering ist. Ferner muss die Zahl der Verkäufe im regionalen Kontext
gesehen werden, denn der kommunale Wohnungsbestand weist in deutschen
Großstädten große bis sehr große Unterschiede auf. In Ostdeutschland
variieren die kommunalen Anteile von 0 Prozent in Dresden bis 25,9
Prozent in Chemnitz. Aber auch in Westdeutschland gibt es regionale
Unterschiede: Während in Hamburg 15 Prozent der Bestände in kommunalem
Besitz sind, beträgt die Quote in Düsseldorf nur 0,5 Prozent.
Die fiskalische Betrachtung des Verkaufs von Wohnungen bietet den
Kommunen die Möglichkeit, Schulden abzubauen und die Zinsbelastung in
den kommunalen Haushalten zu verringern. Ziel des Verkaufs muss es dann
aber sein, Spielraum für andere kommunale Aufgaben zu gewinnen. Eine
fiskalische Rechtfertigung für einen Verkauf besteht nur dann, wenn die
Zinsersparnis, die durch einen Verkauf möglich wäre, höher ist als der
mit den Wohnungsbeständen erzielbare Gewinn, der an die Kommune
abgeführt wird.
Bei der Versorgung von Problemgruppen ist darauf zu achten, dass die
Kommunen seit 2005 Aufgaben im Rahmen des Arbeitslosengeldes II
übernommen haben. Unabhängig davon bleiben sie für die
Sozialhilfeempfänger und die Bezieher einer Grundsicherung zuständig.
Für die Unterbringung einkommens- und sozialschwacher Haushalte sind die
Kommunen auf den gesamten Wohnungsmarkt angewiesen. Ob die Aufgabe durch
das Vorhalten eigener Bestände erleichtert werden kann, ist nicht
eindeutig. Es hängt davon ab, ob die Kommunen über Belegungsrechte
verfügen. Notwendigenfalls sind solche bei einem Verkauf zu sichern.
Für die Stadtentwicklung ist zu konstatieren, dass kommunale
Wohnungsunternehmen die Kommunen bei der Erfüllung sozialer und
stadtentwicklungspolitischer Ziele unterstützen. Die Versuche, diese
Leistungen zu quantifizieren, sind vage geblieben. Diese Beiträge der
kommunalen Unternehmen sind auch nur schwer zu generalisieren, weil sie
stark von den örtlichen Bedingungen abhängen. Allerdings werden auch sie
nicht kostenlos geleistet. Die Diskussion trägt dazu
bei, die Frage nach der Wirtschaftlichkeit kommunaler
Wohnungsunternehmen und deren Beitrag zum kommunalen Haushalt neu zu
stellen.
Mit Blick auf die Wiederverkäufe ist festzustellen, dass die Anzahl der
Wiederverkäufe gestiegen ist. Für die Kommunen ergeben sich Probleme,
wenn Vertragsbestandteile, die mit dem Ersterwerber zur Sicherung
wohnungspolitischer und stadtplanerischer Ziele vereinbart wurden, durch
den Wiederverkauf hinfällig werden. Dem sollten die Kommunen durch
geeignete Sicherungsmaßnahmen entgegenwirken.
Als Fazit ist festzustellen, beim Verkauf von Beständen kann keine einheitliche Antwort gegeben werden. Hier
konnten nur die Optionen diskutiert werden, die von der Kommune
möglichst objektiv und transparent gegeneinander abgewogen werden
müssen. Kommunale Wohnraumversorgungskonzepte bieten einen geeigneten
Rahmen. Es wird den Kommunen empfohlen, die Möglichkeiten dieses
Instruments zu nutzen.
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Träger |
Deutscher Verband für Wohnungswesen, Städtebau und
Raumordnung e.V. |
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Förderer |
Bundesministerium für Verkehr, Bau und
Stadtentwicklung |
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Aareal Bank AG |
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DEGEWO Deutsche Gesellschaft zur Förderung des
Wohnungsbaues, gemeinn. AG |
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Deutsche Annington Immobilien GmbH |
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Deutsche Bau- und Grundstücks AG |
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Deutscher Mieterbund e.V. |
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GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und
Immobilienunternehmen e.V. |
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GSW Gemeinn. Siedlungs- und
Wohnungsbaugesellschaft mbH |
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KfW Bankengruppe |
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Kreissparkasse Köln |
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VBW Bauen und Wohnen GmbH |
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Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) e.V. |
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Kooperationspartner |
Bayer. Staatsministerium des Innern, Oberste
Baubehörde |
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Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) |
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Deutsche Wohnen AG |
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Deutscher Städte- und Gemeindebund |
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Deutscher Städtetag und StNRW |
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Dr. Klein & Co. AG |
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HEGLI Verwaltungsgesellschaft mbH |
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IfS Institut für Stadtforschung und
Strukturpolitik GmbH |
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In.nova – Gesellschaft für Unternehmensentwicklung
mbH |
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Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes NRW |
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Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Berlin |
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Kommissionsvorsitz |
Gernot Mittler, Staatsminister a. D.,
Präsident Deutscher Verband |
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Wissenschaftliche Begleitung |
Professor Dr. Johann Eekhoff,
Institut für Wohnungsrecht und Wohnungswirtschaft an der
Universität zu Köln (INWO) |
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Überblick über große Wohnungstransaktionen von 1999 bis
zum 30.06.2006 differenziert nach Eigentümern
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Eigentümer |
Verkäufe |
Käufe |
Saldo |
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Kommunen |
337.000 |
138.000 |
- 199.000 |
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Bund/Land |
386.000 |
142.000 |
- 244.000 |
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Deutsche Unternehmen |
476.000 |
291.000 |
- 185.000 |
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Angelsächsische Unternehmen |
42.000 |
642.000 |
+ 600.000 |
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Unternehmen aus dem kontinentaleuropäischen
Ausland |
0 |
38.000 |
+ 38.000 |
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Sonstige |
36.000 |
24.000 |
- 12.000 |
(zurück zum Text)
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Der Bericht "Zur Ökonomisierung der Immobilienwirtschaft –
Entwicklung und Perspektiven" kann als pdf-Datei sofort und
als gedruckter Bericht zu einem Preis von 25 Euro zzgl.
Versandkosten ab dem 01.11.2007 bezogen werden beim:
Deutschen Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung
Georgenstraße 21, 10117 Berlin
Tel. 030 – 20 61 32 – 50
E-Mail:
info@deutscher-verband.org
Download:
"Zwischen Markt und Staat: Wohnungs- und Immobilienwirtschaft im
Wandel" von Gernot Mittler, Staatsminister a.D.,
Präsident des DV, Vortrag auf der Herbsttagung der Zeitschrift "Immobilien &
Finanzierung" am 24.10.07 in Wiesbaden (PDF 123 KB)
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