Eigenheimförderung
Beitrag von Prof. Dr. Paul Klemmer, Präsident des Deutschen
Verbandes
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Bundesminister Dr. M. Stolpe und
Prof. Dr. P. Klemmer, Präsident des DV |
Verfolgt man die Diskussion um den Subventionsabbau bzw.
die Finanzierung der vorgezogenen Steuerreform, kann man sich des
Eindrucks nicht erwehren, dass dem Eigenheim der Kampf angesagt ist. Die
Angriffe kommen von zwei Seiten.
Eine eher ökonomisch geprägte Front vermerkt kritisch, bei der
Eigenheimförderung handle es sich der Mitnahmeeffekte wegen um eine
"Milliardenverschwendung" sowie gleichzeitig um eine Fehlleitung von
Geld in "unproduktives" Kapital. Eine eher ökologisch ausgerichtete
Schar von Kritikern beklagt hingegen die durch die Kilometerpauschale
verstärkten ökologischen bzw. städtebaulichen Schäden eines durch die
Eigenheimförderung induzierten Baus von Ein- und Zweifamilienhäusern im
Umlandbereich großer Zentren. Man spricht von Zersiedelungsprämien, die
den "Flächenverbrauch" fördern, die Baulandpreise über Gebühr steigen
lassen und einen Entleerungseffekt in den Städten auslösen, der dort zu
einer kostensteigernden Unterauslastung wichtiger
Versorgungseinrichtungen bzw. Infrastrukturgegebenheiten führt.
Beide Argumentationslinien können kritisch hinterfragt werden. Den
Ökonomen wird man zugestehen, dass angesichts der generellen
Notwendigkeit eines Subventionsabbaus auch die Eigenheimförderung nicht
ungeschoren davon kommen kann. Dann sollte man aber auch die gegenüber
der Riester-Rente bestehende Diskriminierung der Eigentumsbildung im
Wohnungsbau als Instrument der Altersvorsorge beseitigen. Neuere
Untersuchungen zeigen, dass es dann auch ohne Förderung zu einem der
Altersvorsorge dienenden Wohnungsbau kommen wird.
Problematisch ist die Kennzeichnung von Wohnungsvermögen als
unproduktives Kapital. Hier sollte man festhalten, dass jede
Vermögensbildung mit Risiken verbunden ist, und sich die
Vermögensbildung im Immobilienbereich unter Werterhaltungs- und
Renditegesichtspunkten gegenüber dem Aktien- und Rentenvermögen recht
gut gehalten hat. Der Staat sollte nicht in die Rolle eines allwissenden
Übervaters schlüpfen, der die Bürger bei ihrer Vermögensbildung
fürsorglich an die Hand nimmt und zu ihrem Portfoliomanager wird.
Gravierender sind darum die umweltökonomischen Argumente bzw. die
Bedenken der von Entleerungsrisiken bedrohten Städte. Mit Nachdruck muss
man hier betonen, dass das Leitbild der kompakten Stadt in der neueren
Nachhaltigkeitsdiskussion ebenfalls kritisch hinterfragt wird. Außerdem
muss man darauf hinweisen, dass bei der Beurteilung der
Siedlungstätigkeit an den Stadträndern nicht nur auf die Kosten-,
sondern auch auf Nutzenseite geblickt werden muss. Der Staat ist nicht
dafür da, für eine befriedigende Kapazitätsauslastung städtischer
Infrastruktur und Versorgungseinrichtungen zu sorgen. Dies gilt vor
allem dann, wenn viele Abwanderungen in das Umland auch Ausdruck einer
Bewertung des städtischen Wohn-Umfeldes durch ihre
Bewohner und damit eine Abstimmung mit den Füßen sind.
Gerade Familien mit mehreren Kindern – und sie machen immer noch rd. 20
Prozent unserer Haushalte aus und sind der entscheidende demographische
Potentialfaktor – sehen eine Verlagerung ihres Wohnstandorts in das
Umland als für sich und ihre Kinder wohlfahrtssteigernd an. Die
Berücksichtigung ihrer Wünsche ist darum auch Bestandteil einer heute
von allen Parteien hoch eingestuften Familienpolitik. Eine
wissenschaftlich befriedigende Bewertung des urbanen Flächenwachstums
unter umweltökonomischen Aspekten steht
entgegen manchen Behauptungen immer noch aus.
Diese Kritik an den Kritikern der Eigentumsförderung im Wohnungsbau ist
kein Plädoyer für die Beibehaltung der Eigenheimzulage. Aus
grundsätzlichen Überlegungen und aufgrund der leeren Kassen wird man sie
zurückfahren müssen. Es geht auch nicht um die Durchsetzung einer
bestimmten Wohneigentumsquote. Vieles spricht sogar dafür, dass das
Mieten künftig an Bedeutung gewinnen wird. Aber man sollte sachlich
bleiben und nicht aus Vorurteilen heraus den Eigenheimbau
diskriminieren. Letztlich muss es um die Durchsetzung von
Rahmenbedingungen gehen, die ausreichend Spielräume für eine bessere
Berücksichtigung der immer differenzierter werdenden Wohn- und
Eigentumsbildungswünsche der Bürger schaffen.
Nähere Ausführungen finden Sie zudem im
Positionspapier von Prof. Dr. Paul Klemmer, Präsident des Deutschen
Verbandes für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V.
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