Kommission des Deutschen Verbandes "Chancen des
demographischen Wandels für die Wohnungs- und Städtepolitik" legt
Abschlussbericht vor
Von Rüdiger Wiechers,
Schatzmeister und Kommissionsvorsitzender, Deutscher Verband für
Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V., Berlin
Unter der Leitung von Rüdiger Wiechers, Schatzmeister des DV, haben
in der Kommission "Chancen des demographischen Wandels für die Wohnungs-
und Städtepolitik" Partner von Bund, Ländern und Gemeinden, der
Wohnungs-, Immobilien- und Finanzwirtschaft sowie der Mieter- und
Grundbesitzerverbände mitgewirkt. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau
und Stadtentwicklung hat die Kommission aktiv begleitet; die Technische
Universität Berlin übernahm unter der Leitung von Frau Professorin
Pahl-Weber die wissenschaftliche Betreuung.
Um den Herausforderungen der Demographieentwicklung, der
Globalisierung und der Migration begegnen zu können, steht die
Stadtentwicklungspolitik in den nächsten 25 Jahren vor den größten
Veränderungen seit 50 Jahren. Antriebskräfte sind die sich wandelnden
demographischen Verhältnisse, unterschiedliche Lebens-, Wohn- und
Arbeitsbedingungen und die individuellen Wunschvorstellungen der Bürger.
Daher hat der Deutsche Verband die Kommission "Chancen des
demographischen Wandels für die Wohnungs- und Städtepolitik" einberufen.
In ihrem Abschlussbericht fordert sie einen offensiven Umbau der
Strukturen: D. h. die Kräfte der Wachstumsräume stärken und einen
Paradigmenwechsel in Schrumpfungsregionen vollziehen. Neue Anforderungen
müssen analysiert und als Chancen begriffen werden. Von zentraler
Bedeutung ist ein Zusammenspiel privater und öffentlicher Akteure. Nur
so kann die Bundesrepublik Deutschland in einer globalisierten Welt ihre
führende EU-Position im Kräftespiel mit amerikanischen und asiatischen
Wachstumsregionen sichern. Auf folgende Handlungsempfehlungen hat sich
die Kommission verständigt:
- Metropolräume müssen administrative Grenzen überschreiten:
Unter den Agglomerationsregionen ragen einzelne Räume im
Standortwettbewerb heraus. Für die Gesamtregion müssen strategische
Leitbilder und individuelle "Markenzeichen" entwickelt werden.
- Stadtentwicklung muss Grundlage für Innovation und Integration
schaffen:
Es müssen zielgruppengerechte Wohnungsangebote, leistungsfähige
Verkehrsinfrastrukturen, hochwertige Kulturangebote und
wettbewerbsfähige Dienstleistungs- sowie Gewerbeimmobilien geschaffen
werden. Potenzielle Leistungsträger sind an die Stadt zu binden,
Bevölkerungsgruppen mit Migrationshintergrund zu integrieren und
Bildungspolitik zu intensivieren.
- Raumstrukturelle Unterschiede sind zu akzeptieren:
Die Anerkennung von Metropolregionen im Standortwettbewerb bedeutet
nicht, "andere" Regionen zu vernachlässigen. Die polyzentrale
Raumstruktur Deutschlands ist eine Stärke, räumliche Differenzierung ist
anzuerkennen. Für Entleerungsräume sind tragfähige Konzepte zu
implementieren.
- Handlungsdruck in gleichgerichtetes Handeln übersetzen:
Der demographische Wandel ist Trendsetter wie Trendverstärker. Es öffnet
sich ein Zeitfenster, um Muster zu durchbrechen, in dem sektorale und
räumliche Politiken gebündelt werden.
- Schlichte Aufforderung zur Kooperation durch gezielte Anreize
ersetzen:
Antworten auf die Problemstellungen erschöpfen sich in der Forderung
eines integrierten Ansatzes. Es bedarf gezielter Anreize, Kooperationen
zu fördern. Sanktionen bei Kooperationsverweigerung sollten erlaubt
sein.
- Renaissance der Stadt fördern:
Die Neuentdeckung der Stadt gelingt, wenn Leitbilder aufgestellt,
Innenstädte aufgewertet und Freiräume qualifiziert werden.
Zielgruppengerechte Angebote sind nicht nur in Wachstumsräumen
umzusetzen.
- Schutz und Erhalt der Stadtstruktur als Maßstab für
Prioritätensetzung in Stadtgebieten:
Das Pfund der Städte ist eine intakte Struktur als Einheit von Form und
Funktion. Die Bedeutung langfristiger Planung steigt. Bei Neubaubedarf
ist die Bodenpolitik zu beachten. Stadtquartiere müssen auf ihre
Zukunftsfestigkeit hin beurteilt werden.
- Bindungswirkung integrierter Konzepte für alle beteiligten
Ressorts:
Für einen Bewertungsprozess stellen die Erfahrungen mit den Konzepten in
den Stadtumbau-Ost Städten eine wertvolle Basis dar. Deren
Verbindlichkeit für Partner des integrierten Prozesses ist zu steigern.
- Öffentliche Fördermittel bündeln und neue Finanzierungsmodelle
erproben:
Fördermittel sind adäquat zur Vielfalt der Probleme zu kombinieren.
Neben gebietsgebundenen Mittel der "Städtebauförderung" sind punktuelle
Interventionen anderer Ressorts und die Idee revolvierender
Stadtentwicklungsfonds aufzugreifen.
- Private stärker in die Verantwortung für die Quartiersentwicklung
einbinden:
Bei städtischen Erneuerungsprozessen erfüllt die Öffentliche Hand eine
strategische Aufgabe. Neben der Zusammenarbeit mit der organisierten
Wohnungswirtschaft ist das Einbinden privater Kleineigentümer ein
Schlüsselfaktor. Neue Strategien wie Business / Housing Improvement
Districts sind vor allem für quartiersbezogene Programme zu entwickeln.
- Vorfahrt für Bestandsentwicklung - integrierte
Modernisierungsprogramme:
In vielen Regionen wird sich das "wohnungspolitische Mengenproblem"
lösen; wirtschaftlich prosperierende Agglomerationsräume konstatieren
weiterhin einen Neubaubedarf. Die Qualifizierung des Bestandes hat
Priorität und Gegenstand verstärkter Aufmerksamkeit und Förderung zu
sein.
- Chancen für einen Stadtumbau, der barrierearm und energetisch
ausgerichtet ist:
Die Bedingungen der Klimaentwicklung erfordern Anpassungen in der
Stadtstruktur, die sich mit demographisch notwendigen Anpassungen
kombinieren lassen.
- Leistungsfähigkeit Älterer nutzen:
Der Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung erfordert eine
Neuorientierung in Hinblick auf ihre Leistungsfähigkeit. Das ist
insbesondere eine Chance für Aufgaben der Stadtentwicklung.
Anreizstrukturen für ehrenamtliches Engagement sind zu stärken.
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Den vollständigen Bericht "Chancen der vor uns liegenden
demographischen Entwicklung für die Wohnungs- und Städtepolitik"
können Mitglieder zu einem Preis von 25 Euro und Nicht-Mitglieder
für 30 Euro zzgl. Versandkosten beim DV beziehen. Bestellen Sie
per E-Mail unter
info@deutscher-verband.org
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