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EUREK - Europäisches Rahmenentwicklungs Konzept; Entstehung - Sinn -
Hintergrund
25. und 26.06.2001 - Jahrestagung des Deutschen Verbandes für
Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V. in Berlin
Robert H. Kragt

Welch sonderbarer Ort für den Bau eines Dorfes
Meine Damen und Herren,
Schreckbild oder Wirklichkeit?
Ich denke: Es wird nur schwer gelingen, die Spannung zwischen Globalisierung
einerseits und Lokalisierung andererseits, zwei Entwicklungen, mit denen wir
täglich konfrontiert werden, besser dar zu stellen als mit diesem Cartoon.
Globalisierung einerseits, da zahlreiche gegenwärtige Entwicklungen die Welt
schlichtweg kleiner erscheinen lassen und Grenzen verwischen. Unsere Aufgabe als
Raumplaner ist es dabei, die Zeichen der Zeit zu verstehen und diese
Entwicklungen in die richtigen Bahnen zu lenken. Großen Dimensionen muss Platz
eingeräumt werden.
Lokalisierung andrerseits, da der Mensch einer Identität und menschlicher
Dimensionen bedarf. Auch hier ist es unsere Aufgabe als Raumplaner, dies zu
berücksichtigen. Wir tragen daher die Verantwortung, menschlichen Bedürfnissen
weitestgehend Rechnung zu tragen. Kleine Dimensionen müssen geschützt und
respektiert werden.
Mit anderen Worten: Es gilt als Aufgabe, für die Bürger ein schönes,
lebenswertes und nachhaltiges Lebensumfeld zu schaffen, wobei weltumspannende
Entwicklungen nicht aus dem Auge verloren werden dürfen.
Auch das zentrale Thema des heutigen Treffens "Integrierte Raumordnung und
Verkehrspolitik in einem zusammenwachsenden Europa" trägt meines Erachtens diese
Spannung unverbrüchlich in sich.
Wie begegnen wir dieser Spannung?
Zum einen indem wir uns um internationale Zusammenarbeit bemühen und nach
gemeinsamen Ausgangspunkten suchen, die in gemeinsamen Entwicklungsperspektiven
münden. Zu nennen sei in diesem Zusammenhang das EUREK.
Zum anderen, indem wir im Rahmen der Raumplanung auf nationaler und regionaler
Ebene die Bedingungen festlegen, unter denen auf lokaler Ebene ein ausgewogenes
Verhältnis zwischen den beiden genannten Entwicklungsrichtungen geschaffen
werden kann.
Der vor kurzem veröffentlichte Fünfte Note zur Raumordnung in den Niederlanden
greift diese doppelte Aufgabe auf und knüpft sie an zwei Paradoxe, die in der
Einleitung zu dem Bericht festgehalten werden. Gestatten Sie mich die
betreffende
Stelle hier zitieren zu dürfen:
"Die Niederlande verändern sich. In sämtlichen Bereichen machen sich
Einflüsse ausländischer Entwicklungen bemerkbar. Das Wirtschaftswachstum schafft
für die Raumordnungspolitik ein Paradox. Einerseits stellen gerade Bürger mit
höherem Lebensstandard und florierende Unternehmen immer höhere Anforderungen an
die räumliche Qualität. Andererseits wird die Qualität des Raumes durch die, mit
diesen Anforderungen einhergehenden Konsequenzen, gefährdet.
Darüber hinaus entwickeln sich die Niederlande immer stärker zu einer
Netzwerkgesellschaft und einer Netzwerkwirtschaft. Die Aktivitäten von
Einwohnern und Unternehmen spielen sich auf immer größerem Raum ab, sowohl
virtuell als auch faktisch. Das zieht ein zweites Paradox nach sich. Während zum
einen der Handlungsradius der Menschen zunimmt, wächst zum anderen ihr Bedürfnis
nach einem qualitativ hochwertigen ,Zuhause'. Die Menschen legen Wert auf ein
tägliches Lebensumfeld in kleiner Dimension."
Meine Damen und Herren,
man hat mich gebeten, Ihnen heute vor allem über "Entstehung, Sinn und
Hintergrund des EUREK" zu berichten. Ich übernehme diese Aufgabe gern, wollte
meine Einleitung jedoch dazu nutzen, Ihnen das EUREK insbesondere mit Blick auf
den "Sinn" in einem breiteren Zusammenhang und umfassenderen Kontext
vorzustellen.
Ich möchte mich nun mit Ihnen gemeinsam auf eine kurze Reise begeben, eine
Reise, auf der wir uns folgenden Aspekten widmen werden:
- die Geschichte: der Weg zum EUREK
- der Prozess: die Entstehung des EUREK
- das Produkt: das Potsdamer Dokument
(Die erste 3 gefragt; 4e füge ich zu. Spannend + Niederländische Erwartungen)
- die Zukunft: Wohin führt uns die Reise?
Sie werden verstehen, - und mit meinem Hintergrund dafür Verständnis haben -dass
unser Streifzug unvermeidlich eine niederländische Sichtweise der Dinge
darstellt und dass wir ihn mit Siebenmeilenstiefeln zurücklegen müssen. Leider
bleibt uns nur wenig Zeit für kleine Abstecher oder für den Genuss schöner
Aussichten. Vielleicht verleitet Sie unser Streifzug jedoch dazu, die Reise noch
einmal selbst anzutreten. Dann werden Sie die Zeit und die Gelegenheit haben,
wahlweise an einigen Orten etwas länger zu verweilen.
Und jetzt fangen wir unsere Reise an:
Die Geschichte: der Weg zum EUREK
(Motto: Die Verwirklichung einer Mission - ein Geduldsspiel?)
Die Initiative für die Inangriffnahme des EUREK ist nicht einfach vom Himmel
gefallen. Im Gegenteil: Es musste ein langer Weg zurückgelegt werden, bevor der
Entschluss zur Erstellung des EUREK fiel.
Die intergouvernementale Zusammenarbeit hinsichtlich der Nutzung des
europäischen Raums hat bereits eine lange Tradition. Die so genannte
Rheinschifffahrtsakte stammt schon aus dem 19. Jahrhundert. Die europäischen
Eisenbahnen arbeiten bereits seit mehr als 100 Jahren zusammen. Kurz nach dem
Zweiten Weltkrieg hat man bereits Vereinbarungen über ein zusammenhängendes
Netzwerk der Hauptstraßen, den späteren E-Straßen, getroffen. Auch die Nutzung
des Luftraums wurde geregelt.
Ein integraler Ansatz jedoch, ausgehend von einer raumplanerischen Perspektive
bzw. einer Vision einer nachhaltigen Entwicklung, stellen diese Initiative
jedoch noch längst nicht dar.
Die ersten wichtigen Schritte in dieser Richtung wurden in den fünfziger Jahren
gemacht. Bereits 1957 bemühen sich die Niederlande im Rahmen der Verhandlungen
für den Abschluss der Römischen Verträge darum, in diese Verträge eine Regelung
für die Raumordnung aufzunehmen. In diesem Bemühen waren die Niederlande ihrer
Zeit jedoch weit, weit voraus.
Denn die Zeit war noch nicht reif. In den meisten europäischen Ländern musste
Raumordnung, als politischer Aufgabenbereich, überhaupt erst entdeckt werden,
und auch in den Niederlanden steckte sie noch in den Kinderschuhen.
Auf internationaler Ebene fand die Idee demzufolge noch keinen Anklang. Auf
bilateraler und transnationaler Ebene hingegen gab es eine gewisse Reaktion.
Vorsichtig entfaltete man Initiativen für eine Zusammenarbeit zwischen den
Niederlanden und Deutschland sowie im Rahmen der Benelux-Staaten. Es wurden
Gespräche über eine Zusammenarbeit aufgenommen (insbesondere im Hinblick auf den
Informationsaustausch; Diskussionen über eine Abstimmung lagen noch in weiter
Ferne). Die Gespräche führten schließlich in den 70er Jahren zur Unterzeichnung
eines Traktates mit Deutschland und der Gründung des deutsch-niederländischen
Raumordnungskommission. Auch die Benelux-Staaten haben einen Kooperationsvertrag
unterzeichnet, der unter anderem zu regelmäßigen Treffen der für Raumordnung
zuständigen Minister und der Einsetzung des Sonderausschusses für Raumordnung
führte.
Die erste international ansprechende Initiative zur Zusammenarbeit zwischen
Ministern für Raumordnung stammt von dem deutschen Minister für Wohnungsbau,
Städtebau und Raumordnung Lücke in einer Rede aus dem Jahr 1964 vor dem Rat der
Gemeinden und Regionen Europas.
Der niederländische Minister Bogaers nahm diesen Vorschlag 1966 während einer
Pressekonferenz aus Anlass der Präsentation des Zweiten Raumordnungsberichts für
die Niederlande wieder auf. Ich zitiere:
"Mein westdeutscher Amtskollege, Herr Paul Lücke, hat vor einiger Zeit
während einer Konferenz in Rom erklärt, dass er erwägt, seine Amtskollegen in
den EWG-Ländern aufzufordern, einen ständigen Ministerausschuss für Raumordnung
einzurichten. Ich möchte an dieser Stelle gerne erklären, dass ich jeden Versuch
zu einer wirklichen politischen Integration von Herzen begrüße. Unsere Länder
sind für autarke Raumentwicklungspolitik zu klein geworden."
(Beachten Sie bitte, wir schreiben das Jahr 1966!)
Obschon für die Niederlande gerade der Verweis auf die EWG ein bedeutender
Faktor war, zeigten die Folgegespräche mit Deutschland, dass man sich dort
inzwischen nicht mehr auf die EWG, sondern auf den Europarat konzentrierte. Dort
käme Deutschland mit einer größeren Anzahl Nachbarländer zusammen, insbesondere
mit Blick auf den Osten, und auch der Weg nach Skandinavien stünde offen.
Der Aufruf Deutschlands wurde von der Parlamentarischen Versammlung des
Europarates aufgenommen. 1968 spricht sie sich für die Einrichtung einer
ständigen Ministerkonferenz für Raumordnung aus (CEMAT = Conférence Européen des
Ministres d'Aménagement du Territoire).
Außerdem wird eine Sonderarbeitsgruppe gegründet, die unter Leitung des
westdeutschen Bundestagsabgeordneten G. Flämig in drei Jahren einen Bericht
erarbeitet. Der Bericht mit dem Titel "Regional planning a European problem" ist
die erste bedeutende Studie über die Raumordung des europäischen Raums.
Raumordnung betrachtete man von dem Zeitpunkt an als eines der vier
Hauptaufgabengebiete des Europarates. 1970 fand die erste Ministerkonferenz
statt. Die Raumordnung hatte damit endgültig ihren Platz im europäischen
Bewusstsein erobert.
1978 traf der Europarat die bedeutende Entscheidung zugunsten einer europäischen
Charta für Raumordnung. Die Charta (Europäische Raumordnungs-Charta; oder auch
"Satzung von Torremolinos") wurde 1983 angenommen.
Rückblickend muss aus niederländischer Sicht festgehalten werden, dass die
Charta ein gutes Ergebnis der Bemühungen darstellt und selbst heute nur wenig an
Aktualität eingebüßt hat. Außerdem ist festzuhalten, dass sie inhaltlich großen
Einfluss auf die Arbeit am EUREK hatte.
Das niederländische Engagement und zum Teil auch die Vorreiterrolle galten in
den sechziger und siebziger Jahre nicht ausschließlich den Tätigkeiten des
Europarates. Eine zweite Linie, die auch bis tief in die achtziger Jahre hinein
verfolgt wurde, war die Mitgliedschaft in der "Group of Experts on Urban and
Regional Research" des "Committee on Housing, Building and Planning" der
Wirtschaftskommission für Europa (ECE).
Und nicht zu vergessen die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung OECD als Gremium, in dem internationale Zusammenarbeit praktiziert
wurde.
Obschon der Europarat, und die anderen Gremien, wertvolle Initiativen
entfalteten, muss festgestellt werden, dass die Mehrzahl der - auch auf dem
Gebiet der Raumordnungspolitik sehr unterschiedlichen - Mitgliedstaaten einer
schnellen Entwicklung hin zu einer europäischen raumwirksamen Politik im Wege
stand.
Daher überrascht es nicht, dass die Befürworter einer europäischen Raumordnung
eine zweite Front eröffneten. 1983 wurde im Europäischen Parlament die
Resolution Gendebien angenommen, in der die Europäische Kommission eingeladen
wird, einen europäischen Plan für Raumordnung zu erstellen, unter anderem auf
der Grundlage der Charta des Europarates. Wir sehen hier eine interessante
Verzahnung der Zielsetzungen von zwei bedeutenden internationalen Gremien und
der schwungvollen Übernahme einer Initiative des einen durch den anderen. Die
Resolution Gendebien forderte "eine umfassende Politik [...] die den politischen
Willen, den europäischen Raum als gemeinschaftliches Gebiet zu verwalten und zu
schützen, konkret ausdrückt".
Und damit zur zweite Etappe unserer Reise
Der Prozess: die Entstehung des EUREK
(Motto: Eine Reise in Galaxien, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat)
Mit wachsender Bedeutung der EG wurden weitere wichtige Schritte auf dem Weg zum
EUREK getan. Und auch hier zeigt sich wieder einmal, dass die Initiativen für
die Beschlüsse, die letztlich von den Politikern gefasst werden, häufig von
einzelnen Beamten ausgehen, die diese Beschlüsse anschließend mit Leben füllen.
Als kleines Intermezzo kann ich Ihnen mitteilen, (Dufeil bestätigen?) dass ein
gutes Verhältnis zwischen einem niederländischen und einem französischen
Beamten, beide voll und ganz von der Notwendigkeit internationaler
Zusammenarbeit überzeugt, und beide bei der Kommission detachiert, letztlich den
entscheidenden Anstoß gab. Ihnen gelang es, 1988 am Rande einer CEMAT-Tagung in
Lausanne ein Zusammentreffen ihrer Minister zu arrangieren. Sozusagen nebenbei
beschlossen die beiden Minister, ihre Kollegen in der EG zu einem
Gedankenaustausch einzuladen.
Auf Betreiben Frankreichs fand 1989 eine erste - informelle - Tagung der für
Raumordnung zuständigen Minister in Nantes statt. Frankreich gelang es auch, das
Interesse der Europäischen Kommission zu wecken. Der Präsident der Kommission
Jacques Delors und Kommissar Millan nahmen an der Tagung teil. Zur Ausgestaltung
des Vorschlags von Gendebien, einen "Plan" aufzustellen, wurde während der
Tagung vorsichtig der Gedanke vorgestellt, ein Europäisches
Raumentwicklungskonzept (EUREK) zu erarbeiten. Dass heist also dass die erste
Idee für ein EUREK schon aus 1989 stammt!!
Die Begegnung galt als Erfolg, und Italien bot an, eine zweite Tagung in Turin
(1990) zu organisieren.
Während der dritten Tagung in Den Haag machten die Niederlande den Vorschlag,
einen Ausschuss für Raumentwicklung (CSD - Committee on Spatial Development)
einzurichten.
Der Vorschlag wurde angenommen. Besonders hervorzuheben ist jedoch, dass den
Vorsitz in diesem Ausschuss nicht die Europäische Kommission inne hatte, sondern
die Mitgliedstaaten, die sich entsprechend ihrem jeweiligen Vorsitz im Rat der
EG abwechselten. Die Kommission übernahm eine Rolle als Förderer und
Sekretariat. Die Initiative wurde somit den Mitgliedstaaten überlassen, was sich
im weiteren Verlauf des EUREK, meines Erachtens, als wesentlicher Eckpunkt
herausgestellt hat. Auf diese Art und Weise wurden die Mitgliedstaaten aktiv in
das EUREK einbezogen und für den Fortgang zur Verantwortung gezogen, allerdings
mit unterschiedlicher Anteilnahme.
Es dauerte jedoch bis zu der Ministerkonferenz 1993 in Lüttich, bis endgültig
die Entscheidung zur Erstellung des EUREK gefasst wurde. Dabei griff man auf
Artikel 10 der EWG-Verordnung von 1988 zum Europäischen Fonds für
Regionalentwicklung zurück, der unter anderem festgelegt hat, dass auf
Initiative der Europäischen Kommission Untersuchungen "zur Feststellung der
notwendigen Elemente für die Aufstellung eines vorausschauenden Plans für die
Nutzung des gemeinschaftlichen Raums" durchgeführt werden können.
Nachdrücklich hat man sich dabei für den Begriff "Entwicklung", nicht "Ordnung"
im Titel entschieden, und zwar aus folgenden Gründen:
- Raumordnung gehört offiziell nicht zum Aufgabenbereich der Kommission,
d.h. des GD XVI.
- Es gab noch große Unterschiede hinsichtlich der Stellung der Raumordnung
in den Mitgliedstaaten.
- Raumordnung ist in einigen Mitgliedstaaten einem anderen politischen
Aufgabenbereich untergeordnet (meist der Regionalpolitik).
Die aufeinander folgenden Länder, die den Vorzitz führten, prägten den
Prozess.
Es gab Höhepunkte und - lassen Sie es mich diplomatisch ausdrücken - weniger
hohe Punkte. In einem Buch, das in Kürze erscheint, wird ein gewisser
Zeitabschnitt als "Doldrums Windstille" bezeichnet. Mit gemeinsamen
Anstrengungen ist es jedoch gelungen, wieder frischen Wind in die Segel zu
blasen und die Entwicklung voranzutreiben. Nebenbei sei noch angemerkt, dass das
Buch, das unter dem Titel "No Masterplan" veröffentlicht wird, mehr auf die
inhaltliche Seite der Fortschritte, die unter dem Vorsitz der jeweiligen
Mitgliedstaaten erzielt wurden, eingeht. Leider fehlt mir dafür jetzt die Zeit.
Aus diesem Grund möchte ich Ihnen das Buch wärmstens empfehlen. Es bietet Ihnen
die Möglichkeit, bei schönen Ausblicken zu verweilen, an denen wir auf unserer
Reise nur schnell vorbeieilen können.
Ich möchte hier zwei wichtige Momente aus dem gesamten Prozess besonders
hervorheben, dem Vorsitz der anderen Länder dabei jedoch keinen Abbruch tun.
Die erste wichtige Station war die Ministerkonferenz 1994 in Leipzig unter
deutschem Vorsitz, in der die so genannten Grundlagen (the Leipzig Principles)
für eine Europäische Raumentwicklungspolitik festgelegt wurden, und zwar:
- Wirtschaftlicher und sozialer Zusammenhalt
- Dauerhaftigkeit
- Ausgeglichenere Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Raumes
und die Konferenz 1997 in Noordwijk, auf der unter niederländischem Vorsitz
ein erster Entwurf des EUREK vorgelegt wurde.
Dass bei der Erstellung des Konzeptes nicht immer ein einfacher Weg mit klarem
Ziel eingeschlagen wurde, kommt in einem Seufzer während einer der Tagungen des
Ausschusses für Raumentwicklung zum Ausdruck, bei der die Entstehung des EUREK
mit dem Raumschiff Enterprise verglichen wird, denn sie "dringt dabei in
Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat".
Dennoch hat man schließlich einen Stern mit günstigen Bedingungen für
menschliches Leben erreicht.
In Potsdam wurde ein EUREK angenommen, das einige bedeutende Ausgangspunkte für
eine nachhaltige Entwicklung des europäischen Raums festlegt.
Und damit zur:
Die dritte Etappe unserer Reise; Tag 3
Das Produkt: Das Potsdamerdokument
(Motto: Nicht bindend, aber nicht ganz unverbindlich)
Über den Inhalt des EUREK (drei Hauptzielsetzungen, dreizehn politische
Zielsetzungen und sechzig Optionen),
den Status (inoffiziell und unverbindlich)
und die Bedeutung des EUREK ist bereits häufig und viel geschrieben worden und
wird noch viel publiziert werden, sodass ich mich an dieser Stelle eigentlich
sehr beschränken möchte.
Ich gehe auch davon aus, dass die Redner, die mir noch folgen werden, auf den
Inhalt noch näher eingehen werden. Daher möchte ich mich auf folgende
Beobachtung einschränken:
Das EUREK kann als indikatives, strategisches Planungsdokument bezeichnet
werden. Von ihm geht mit Blick auf die Brüsseler Sektoren keine formelle
verbindliche Wirkung aus, auch nicht für das Generaldirektorat Regional, der
gemeinsam mit den 15 EU-Mitgliedstaaten Mitinitiator des EUREK ist. Lassen Sie
mich ein Zitat aus dem EUREK selbst anführen: "Die gegenwärtigen Befugnisse der
für die Gemeinschaftspolitik zuständigen Einrichtungen bleiben unverändert. Das
EUREK kann einen Beitrag zur Durchführung gemeinschaftlicher politischer
Maßnahmen, die sich auf den Raum auswirken, leisten, ohne dabei jedoch die
zuständigen Behörden bei der Ausübung ihrer Zuständigkeiten zu behindern."
Ebensowenig geht vom EUREK eine verbindliche Wirkung für die Mitgliedstaaten
selbst aus. Zitat: "Jedes Land wird das Dokument in dem Maße berücksichtigen,
wie es im Rahmen seiner Politik europäischen Raumentwicklungsfragen Rechnung
tragen möchte."
Mit anderen Worten: Die Bedeutung des EUREK liegt im Ermessen jedes einzelnen
Landes, inwieweit EUREK umgesetzt wird. Es wird nichts vorgeschrieben und vieles
ist möglich. Nichtsdestotrotz ist es Sinn und Zweck, dass das EUREK fortwirkt
und sein Inhalt in der Raumordnungspolitik und in raumordnungspolitisch
relevanten Bereichen auf den verschiedenen Ebenen durchaus berücksichtigt wird.
Und obwohl es keinen verbindlichen Charakter trägt, ist es doch eigentlich
faszinierend, wenn festgestellt werden kann, dass die drei grundlegenden
Zielsetzungen des EUREK:
- Wirtschaftlicher und sozialer Zusammenhalt
- Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen und des kulturellen Erbes
- Ausgeglichenere Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Raumes inhaltlich in
die operationellen Programme eingeflossen sind, die im Rahmen des
raumordnungspolitischen Teils der Kommunautaire Initiative Interreg II-C
erstellt wurden. Wichtige Elemente des EUREK spiegeln sich darüber hinaus in
den Richtlinien für die nächste Runde im Rahmen des Interreg III wieder.
Die vierte Etappe; Tag 4. Ich hoffe Sie sind noch Fit für einen Reisetag
Die Zukunft:
(Motto: "Die Zukunft ist ein mythisches Gebilde, das sich uns in unserem
unablässigen Bemühen, es zu erreichen, immer wieder entzieht.)
Diese Auffassung vertritt zumindest der niederländische Futurologe Hans van
Straten.
Ist sie wirklich so schwer zu erreichen? Oder gelingt es uns nicht doch, sie
nach unseren Vorstellungen zu gestalten und für uns arbeiten zu lassen, oder
können wir Sie sogar über die Raumordnung steuern?
Schauen wir uns das einmal genauer an.
Die Festlegung des EUREK bedeutet den Abschluss einer Etappe auf dem Weg zu
einer europäischen Raumordnung und zugleich den Beginn einer neuen. Die neue
Etappe hat gerade erst begonnen. Auf der Reise, zu der ich Sie einlud, war ich
bisher Ihr Reiseleiter, der Sie begleitete und sie entlang bekannter und - damit
die Reise nicht langweilig wird - hoffentlich auch entlang weniger bekannter
Orte führte. Ich möchte Ihnen was die neue Etappe betrifft noch ein kleines
Stück auf zwei Streckenabschnitten mitnehmen. Zwei Abschnitte, die den Übergang
von der einen zur anderen Etappe darstellen. Der eine Abschnitt bezieht sich auf
die Stellung der Raumordnung bei der Europäischen Kommission und der zweite
beschreibt die Art und Weise der möglichen Fortwirkung des EUREK in der
nationalen Politik am Beispiel der Niederlande.
Raumordnung bei der Europäischen Kommission
Um der Raumordnung in europäischem Kontext Form und Inhalt zu verleihen,
stimmte die Europäische Kommission, wie ich eingangs bereits erwähnte, 1991 der
Gründung eines Ausschusses für Raumentwicklung zu, auch wenn sie ihn im Hinblick
auf dessen Form und Status nicht bedingungslos unterstützte. Man könnte sagen,
die Kommission duldete den Ausschuss für Raumentwicklung lediglich, förderte ihn
jedoch andererseits in der Zeit des EUREK großzügig. So wurden beispielsweise
jedem Land die Fahrtkosten von zwei Experten erstattet und wurde zuletzt in fast
allen Sprachen gedolmetscht. Zugleich gab die Kommission jedoch deutlich zu
verstehen, dass sie die Unterstützung auf den Zeitraum des EUREK beschränken
möchte und begann nach der Verabschiedung in Potsdam eine Debatte über die
Zukunft des Ausschusses für Raumentwicklung und damit verbunden über den
Stellenwert, den die Raumordnung bei der Kommission genießt. Dieser Stellenwert
wurde zur Debatte gestellt. Einen ersten Schritt, den die Kommission in diese
Richtung unternahm, war die Kürzung der finanziellen Mittel, sodass nur noch die
Fahrtkosten für einen Experten je Land erstattet wurden. Schon kurz darauf
unterbreitete die Kommission den Vorschlag, den Ausschuss für Raumentwicklung an
den Ausschuss für Entwicklung und Rekonversion der Regionen (CORR) zu koppeln
oder sogar darin einzubinden. Der Vorschlag wurde nicht mit allgemeiner
Begeisterung aufgenommen. Warum sollte der Ausschuss für Raumentwicklung
preisgegeben werden, war er doch mit so viel Mühe ins Leben gerufen worden und
hat schließlich seine Daseinsberechtigung unter Beweis gestellt. Es kam zu
zahlreichen Diskussionen inner- und außerhalb des Ausschusses für
Raumentwicklung. Verbündete wurden gesucht und Pläne geschmiedet. Dennoch setzte
die Kommission ihren Willen durch. Derzeit fungiert der Ausschuss für
Raumentwicklung als ein Zweig des Ausschusses für Entwicklung und Rekonversion
der Regionen (CORR) und seine vollständige Einbindung ist nur noch eine Frage
der Zeit. Die Entscheidung dazu ist sogar vor einigen Tagen getroffen.
Es wundert Sie möglicherweise, wenn ich Ihnen sage, dass die Niederlande, die
einer der nachhaltigsten Befürworter des Ausschusses für Raumordnung waren, der
Bindung an den Ausschuss für Entwicklung und Rekonversion der Regionen und somit
dem Verlust der Eigenständigkeit des Ausschusses für Raumentwicklung relativ
schnell zustimmten. Das hat viele überrascht. Ich werde Ihnen im Folgenden kurz
drei Gründe für diese Position nennen:
- Zunächst können wir feststellen, dass ein Teil der Mission, die uns
vor Augen stand, erfüllt war. Es konnte Verständnis für eine
Internationalisierung raumordnungspolitischer Aufgaben geweckt werden.
Weiterhin eine isolierte Stellung einzunehmen als Beführworter eines
selbständigen und somit wahrscheinlich kaum wirksamen Ausschusses für
Raumentwicklung, könnte sich letztendlich eher negativ auswirken. Integration
heißt, dass wir uns der Quelle nähern und die Weiterentwicklung des
Bewusstseins der wachsenden Bedeutung räumlicher Dimensionen direkt
beeinflussen können.
- Zweitens hat die Kommission eindeutig erklärt, dass sich das
Konzept der Raumentwicklung außerordentlich gut und nutzbringend in die
Strukturpolitik einbinden lässt. (Ich möchte in diesem Zusammenhang auf den so
genannten Kohäsionsbericht verweisen). Mit Blick auf die Erweiterung und die
erheblichen Konsequenzen, die damit für die Strukturpolitik einhergehen, ist
es notwendig, auf den Wunsch der Kommission einzugehen. Damit bietet sich
gleichermaßen die einzigartige Gelegenheit, die Bedeutung der Raumordnung zu
erhöhen. Ergo: Mitwirken im Rahmen des Ausschusses für Entwicklung und
Rekonversion der Regionen (CORR), und zwar dort, wo die Diskussionen geführt
und die Beschlüsse gefasst werden.
- Drittens gerät die nationale Politik immer mehr in den
Einflussbereich "Europas". Lange Zeit stand für die Raumordnung in den
Niederlanden kein eigenes Geld zur Verfügung, mit dem die in den
Regierungsberichten entwickelten politischen Leitlinien finanziert und
umgesetzt werden konnten. Wir waren vom guten Willen anderer, das heißt
anderer Fachbereiche, abhängig. Mehr und mehr machen jedoch die Worte "eigenes
Geld für die Raumordnung" die Runde. Im Rahmen der Gemeinschaftsinititative
INTERREG wird beispielsweise dieses eigene Geld bereitgestellt. Hier knüpft
der Fünfte Regierungsbericht zur Raumordnung in den Niederlanden an und nennt
9 transnationale politische Zielsetzungen, die mit Interreg-Mitteln realisiert
werden könnten.
Mit diesem letzten Punkt ist mir zugleich der Übergang zu dem zweiten
Streckenabschnitt, den ich mit Ihnen noch zurücklegen wollte, gelungen, und zwar
der möglichen Fortwirkung des EUREK in der nationalen Politik am Beispiel des
Fünften Berichts zur Raumordnung in den Niederlanden.
Der Fünfte Bericht zur Raumordnung wurde am 31. Januar 2001 als politisches
Vorhaben vorgestellt. Das heißt, dass einen gewissen Zeitraum lang die
Möglichkeit der Mitsprache offen steht und anschließend gegebenenfalls noch
Änderungen vorgenommen werden. Die groben politischen Linien stehen jedoch fest.
Eine sehr wichtige ist dass die Niederlanden in der neue Nota als eine
Europäische Region dargestellt sind. Auf alle Karten fehlen die Landesgrenze. Es
wird anerkannt dass die Politikvorhaben Konsequenzen haben für die
Nachbarländer. Gespräche mit denen werden für notwendig gehalten UND in der Note
angekündigt. Sie finden in diesen Wochen statt.
Im Bericht wird an einigen Stellen explizit auf das EUREK als
Inspirationsquelle verwiesen, teilweise in Form konkreter Vorhaben teilweise
jedoch auch in Form philosophischer Gedankenspielerei. Die drei
Hauptzielsetzungen des EUREK spiegeln sich in dem Fünften Bericht wider, und
zwar am deutlichsten in dem Kapitel, das die Überschrift "Die Niederlande als
europäische Region" trägt.
Dort ist unter anderem zu lesen:
"Die Grundzüge des EUREK bilden einen Bezugspunkt für die nationale
Raumordnungspolitik in den Niederlanden. Dies kommt unter anderem in der
zusammenhängenden auf räumliche Qualität ausgerichteten Politik für Stadt und
Land zum Ausdruck ".
Räumliche Qualität ist zugleich der zentrale Ausgangspunkt für die neue
niederländische Politik. Sie findet ihren Ursprung unter anderem im EUREK.
Inwieweit sich Qualität erreichen lässt, wird anhand von sieben Kriterien
geprüft. Sie bilden die Grundlage der neue Politik. Es handelt sich dabei um:
- Räumliche Diversität
- Wirtschaftliche und gesellschaftliche Funktionalität
- Kulturelle Diversität
- Soziale Gerechtigkeit
- Nachhaltigkeit
- Attraktivität
- Die menschliche Dimension
Verehrte Zuhörer:
Wir sind fast am Ende unserer Reise. Unterwegs haben wir die nachfolgende
Stationen besucht:
Ich begann meinen Vortrag mit Ausführungen zur menschlichen Dimension und zum
Fünften Bericht zur Raumordnung in den Niederlanden. Ich endete auch wieder
damit. Der Kreis ist geschlossen. Ich hoffe, dass Sie die Reise genossen haben
und sie Ihnen den künftigen Weg weisen wird.
Hier beginnt nun Ihre eigene Reise. Ab jetzt bestimmen Sie, wohin Sie sie führt.
Es ist nun Ihnen überlassen festzulegen, wie Sie mit den Zielsetzungen und
Optionen des EUREK weiter machen und welchen Stellenwert das EUREK für Sie haben
wird.
Die Fünfte Note der Niederlanden spricht allerdingsmehrfach von "Grenzen
überschreiten". Damit werden m.E. nicht nur fysische Grenzen gemeint aber auch
psychologische.
Die zentrale Frage lautet:
Wie international sind wir wirklich imstande zu denken?
Hüten wir uns vor folgender Situation:

Nationale Politik vs. Internationale Entwicklung
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