Wie können Kommunen und Wohnungswirtschaft den Wohnungsleerstand
meistern?
Symposium des Deutschen Verbandes für Wohnungswesen, Städtebau und
Raumordnung e.V. am 17.05.2001 in Halle
Wohnungsleerstand in Ostdeutschland!
Nur eine Not oder auch eine Chance?
Lehren aus dem Leerstandsbericht
Michael Kunz
Geschäftsführer der Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft
Neubrandenburg
Zum besseren Verständnis meiner Ausführungen möchte ich Ihnen
kurz die Lage der Stadt Neubrandenburg in Mecklenburg-Vorpommern
vorstellen und dann die Stadt mit ihren Stadtteilen.
Neubrandenburg hatte 1990 91.000 Einwohner und 33.261 Wohnungen,
von denen die neuwoges etwa 19.000 Wohnungen, also 57 % des
Bestandes besaß. Ende des Jahres 2000 hatte Neubrandenburg noch
etwa 72.500 Einwohner, jedoch 37.461 Wohneinheiten auf dem
Gebiet der kreisfreien Stadt, davon hatte die neuwoges noch etwa
16.500 eigene Wohnungen, also ca. 40 % des Bestandes in der
Stadt. Darüber hinaus, das ist das Ergebnis der
Privatisierungsauflage aus dem Altschuldenhilfegesetz,
verwalteten wir für Dritte 2.500 Wohnungen, die jedoch zu einem
erheblichen Teil von Eigennutzern bewohnt wurden.
Per 31.12.2000 hatten die beiden Großvermieter der Stadt neuwoges, also die kommunale Gesellschaft und die neuwoba, die
Genossenschaft, zusammen 24.910 Wohnungen im Angebot, von denen
1.726, also 6,94 % leer standen.
Im Vergleich dazu, die anderen kreisfreien Städte des Landes
Mecklenburg-Vorpommern, in der Reihenfolge ihrer Einwohnerzahl
|
Rostock |
7,48 % |
oder |
5.086 Wohnungen |
|
Schwerin |
11,92 % |
oder |
3.144 Wohnungen |
|
Wismar |
9,06 % |
oder |
1.396 Wohnungen |
|
Greifswald |
7,63 % |
oder |
1.438 Wohnungen |
|
und unerklärlich, aber so vom Verband ermittelt |
|
Stralsund nur |
2,56 % |
mit |
420 Wohneinheiten |
Insgesamt standen zum Jahresende 2.000 von 273.540 erfassten
Wohnungen, 21.187 = 7,75 % Wohnungen leer. (86 % der im Verband
Norddeutscher Wohnungsunternehmen organisierten
Mitgliedsunternehmen haben sich beteiligt)
Die neuwoges hatte zum 31.12.2000 einen Leerstand von 8 %, das
heißt wir liegen wesentlich schlechter als unsere Mitbewerber,
die Genossenschaft. Aber dies scheint in allen Städten so zu
sein, dass die Genossenschaft noch besser liegt als die
kommunalen Wohnungsgesellschaften.
Gegenüber den geschilderten Situationen im Leerstandsbericht ist
die Situation in Neubrandenburg deshalb anders, weil die Stadt
Neubrandenburg - zumindest die Innenstadt im Frühjahr 1945 zu
über 80 % zerstört war und erst Anfang der 50er Jahre wieder
aufgebaut wurde. Gleichzeitig mit der Entwicklung einer
sozialistischen Musterstadt erfuhr die Stadt Neubrandenburg eine
erhebliche Ausweitung in Neubaugebieten.
Daraus ergibt sich auch die Tatsache, dass die neuwoges im
Besitz des ersten WBS 70 Blockes der je gebaut wurde, ist, der
jetzt nach Modernisierung unter Denkmalschutz steht. Das heißt,
Neubrandenburg hat nicht das Problem des Leerstands in
Wohngebäuden die vor 1948 gebaut wurden, sondern überwiegend in
den Plattenbaugebieten, den Neubauvierteln.
Dort vor allem in den Sechsgeschossen ohne Aufzüge und in
einigen ungünstig gelegenen Hochhäusern. Nachdem die
Bevölkerungsprognose 1999 sowohl für das Land als auch für die
Stadt Neubrandenburg vorlag, war auch dem Letzten, mit der
Materie befassten klar, dass der Leerstand sich zwangsläufig
fortentwickeln musste. Die Prognose für 2010 ist zwischen 60 und
64.000 Einwohner. Bisher haben sich die prognostizierten
Entwicklungen zu der negativeren Annahme hin entwickelt. Aus
diesem Grunde hat nicht nur die neuwoges ihre eigene Planung für
die kommenden Jahre umgestellt, sondern hat sich zusammen mit
ihrem Mitbewerber, der Genossenschaft am Tisch des
Oberbürgermeisters seit Anfang 2000 über die Notwendigkeit des
Rückbaus in verschiedenen Varianten unterhalten.
Mit am Tisch sitzt die von der städtischen Wohnungsgesellschaft,
der städtischen Sparkassen und den Stadtwerken gegründete
Stadtentwicklungsgesellschaft, die diese Maßnahmen zukünftig
begleiten soll. Momentan ist sie bereits als Treuhänder für die
Stadt Neubrandenburg in zwei großen Neubaugebieten für die
Programme der Wohnumfeldverbesserung tätig.
Alle Beteiligten waren sich darüber einig, dass die beiden
Großvermieter auf diesem Sektor ihre Wettbewerbssituation nicht
ausspielen dürfen, sondern gemeinsam an einem Strang ziehen
müssen. Insofern arbeiten wir unter dem Begriff - Beseitigung
städtebaulicher Missstände - daran, in drei großen Gebieten die
Veränderungen festzulegen, ohne Rücksicht auf den aktuellen
Vermietungsstand und wer der jeweilige Besitzer ist.
Nachdem wir am 6. Mai die Stichwahl zum erstmals durch die
Bevölkerung zu wählenden Oberbürgermeister hinter uns haben und
Herr Dr. Paul Krüger, CDU, MdB, vormals u.a. Forschungsminister
in den Regierung Kohl ab 15. August neuer Oberbürgermeister in
der Stadt Neubrandenburg sein wird, sind wir uns einig, dass ab
dem III. Quartal 20001 sowohl die politischen Gremien, also
unser Aufsichtsrat, der Aufsichtsrat der Genossenschaft und die
Stadtvertreterversammlung mit diesem Thema an die Öffentlichkeit
gehen müssen und wir gleichzeitig die Bevölkerung und die
betroffenen Mieter in die weitere Planung mit einbeziehen
müssen.
Soviel zum aktuellen Stand der Umsetzung sowohl der
Bevölkerungsprognose als auch des Leerstandsberichtes und der
Vorgehensweise in Neubrandenburg.
Der zweite Teil der Referate, wie können Kommunen und
Wohnungswirtschaft den Leerstand meistern, soll Ihnen jedoch
zeigen, wie wir die Bevölkerungsprognose verstanden haben, und
seit Ende 1999 marketingmäßig versuchen, den Leerstand, wenn
nicht zu stoppen, so wenigstens den Anstieg zu bremsen.
Im Schnell durchlauf möchte ich Ihnen unser
Zielgruppenmarketing vorstellen, und Ihnen einige Beispiele
zeigen, wie wir versuchen an die Zielgruppen heranzukommen.
Der Erfolg ist schwer messbar. So ähnlich wie im Einzelhandel
ist es eben einfach notwendig am Markt entsprechend präsent zu
sein und aufzufallen. Das kostet viel Geld, aber ohne Werbung
dürfte der Ausfall wesentlich höher liegen, denn die Konkurrenz
schläft ja auch nicht. Dazu gehört auch, dass man den Kollegen
in den umliegenden Städten und Gemeinden weh tun muss, denn als
kreisfreie Stadt, deren Bevölkerungszahl sinkt, müssen wir
wenigstens den Versuch unternehmen, die in den letzten 10 Jahren
hohe Abwanderungsquote ins Umland durch Abwerbung von Mietern im
Umland entgegenzusteuern. Der Saldo wird immer gegen uns
sprechen, aber es wäre einfach leitsinnig und sträflich den
Versuch nicht zu unternehmen. Allerdings ist dies ein
zweischneidiges Schwert, und wir hören schon aus dem Sozialamt
die Klage, dass wir der Stadt Bürger zuführen, die nicht alle in
der Wertschöpfungskette stehen.
Zurück
zur Übersicht der Beiträge
|