Die Aufgaben des Deutschen Verbandes für Wohnungswesen, Städtebau
und Raumordnung e.V. in den kommenden zwei Jahren - eine
Standortbestimmung
Von Dr. Hans-Michael Brey
Generalsekretär des DV e.V.
Standortbestimmungen haben immer etwas Vorläufiges. Daher
pflegte der liberale Wirtschafts- oder auch
Gesellschaftstheoretiker Alexander von Rüstow seine Erkenntnisse
an Hand dreier Fragen zu gliedern: "Woher komme ich?", "Wo stehe
ich?" und "Wohin gehe ich?". Nutzen wir diese Vorgehensweise zur
Standortbestimmung für die Arbeit des Deutschen Verbandes in den
kommenden zwei Jahren, dann sollten wir der guten Ordnung halber
bei unseren Wurzeln beginnen.
In der Vergangenheit hat der Verband stets engagiert und
kritisch an den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen immens
bedeutsamen Entwicklungen des Städtebaus, der Wohnungswirtschaft
und der Raumordnung teilgenommen, sich immer wieder neuen
Herausforderungen gestellt und diese artikuliert, ohne die
parteipolitische und die Interessenneutralität in Frage zu
stellen. So wird auch zukünftig diese bewährte Prämisse gelten:
Erhalt der neutralen Plattform auf nationalstaatlicher Ebene,
um darauf aufbauend Kontakte und Arbeitsbeziehungen zur
Europäischen Kommission, zum "Internationalen Verband für
Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung" und in die
Beitrittsgebiete der Europäischen Union zu knüpfen. Dabei steht
Polen an erster Stelle.
Kurzfristig gilt es, den Umzug nach Berlin und den Aufbau
einer Geschäftsstelle in Brüssel mit dem Ziel durchzuführen, den
Verband in beiden Metropolen zu verankern. In Berlin ist das
"Bonner Netzwerk" neu zu knüpfen; in Brüssel sind die nationalen
Erfahrungen auf europäischer Ebene einzubringen sowie den EU -
Beitrittsländern anzubieten.
Inhaltlich wird die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre
mittel- und langfristig fortgesetzt werden. Die gegenwärtigen
Themen aus den Bereichen Wohnungswesen, Städtebau und
Raumordnung sind bekannt und werden vom Deutschen Verband
aufgegriffen.
Zur Zeit diskutiert auch die Wohnungswirtschaft u.a. die
Rentenreform. Dazu hat der Deutsche Verband im Dezember 2000 die
Kommission "Altersvorsorge und Immobilie" ins Leben gerufen. Sie
soll Möglichkeiten untersuchen, wie die Immobilie als Anlageform
in das Fördersystem des Altersvermögensgesetzes einzubeziehen
ist. Zwischenzeitlich liegt eine erste Kurzstellungnahme vor.
Darüber hinaus wird seit geraumer Zeit die Entwicklung der
Wohnnebenkosten diskutiert. Auch hier hat der Deutsche Verband
eine Kommission mit gleichem Titel ins Leben gerufen.
Arbeitsergebnisse werden für beide Kommissionen zum Ende des
Jahres erwartet.
Im Städtebau werden neben anderen Problembereichen
integrierte Handlungsansätze an Hand des Bund - Länder -
Programms "Soziale Stadt" sowie der europäischen
Gemeinschaftsinitiative URBAN diskutiert. Beide Themen werden
von dem unter dem Dach des Verbandes angesiedelten Deutschen
Seminar für Städtebau und Wirtschaft (DSSW) bzw. dem
URBAN-Netzwerk Deutschland betreut, zwei Institutionen, die sich
mit den Aspekten der integrierten Stadtentwicklung beschäftigen,
das DSSW mit nationaler, das URBAN-Netzwerk Deutschland mit
europäischer Ausrichtung.
Weitere Themen aus den Bereichen des Wohnungswesens und des
Städtebaus, wie der "Wohnungswirtschaftliche Strukturwandel"
bzw. die "Schrumpfende Stadt" bzw., rücken stärker in den Focus.
Solche Probleme werden zunächst durch Symposien erschlossen.
Ziel ist, im Sinne der Politikberatung, den Beteiligen
Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen.
Für den Bereich Raumordnung gilt die gleiche
Herangehensweise. Mit dem Europäischen Entwicklungskonzept (EUREK)
und der europäischen Gemeinschaftsinitiative INTERREG III für
die Strukturfondsperiode 2000 - 2006 sind sowohl der Rahmen als
auch das Instrument zur Umsetzung von EUREK klar definiert.
Europäische und regionale Strukturpolitik werden immer stärkere
Verknüpfungen erfahren. Das vom Verband betreute Projekt TRADE,
das sich mit den Auswirkungen der Errichtung von Factory Outlet
Centern auf die Entwicklung der Innenstädte beschäftigt, macht
hier einen Anfang. Aufgesattelt haben wir ein zweites Projekt:
EUREK Pro.F.I.L. Die Aussagen des EUREK sind nicht bindend,
sondern lediglich Politikoptionen. Ziel von EUREK Prof.I.L. ist
es daher, Inhalt und Zielsetzungen des EUREK und seiner
Anwendungsstrukturen zu vermitteln und über die mit INTERREG II
C gemachten Erfahrungen zu informieren.
Ziehen wir unter das Vorstehende einen Strich, so ist es die
Aufgabe des Deutschen Verbandes für die nächsten zwei Jahre, o.a.
Projekte zu begleiten, Erfahrungen zu sammeln und zu
kommentieren. Hierzu eignen sich die Arbeitskreise
"Wohnungswesen" sowie "Städtebau und Raumordnung". Ergänzt wird
diese Arbeit, wie in der Vergangenheit, durch öffentliche
Symposien und Tagungen. Bei allen Aktivitäten ist der
gesellschaftliche und wirtschaftliche Paradigmenwechsel die
Meßlatte für die Verbandsarbeit.
Dabei geht es um eine gleichgewichtige Betrachtung der
Probleme in Ost- und Westdeutschland. Erfahrungen könnten von
West- nach Ostdeutschland wie von Ost- nach Westdeutschland
(Beispiel: die Bemühungen zur Innenstadtrevitalisierung im
Rahmen des DSSW), aber auch von den neuen Bundesländern in die
EU - Beitrittsländer (z.B. Polen) transportiert werden. Die
Überlegungen sind in die europäische Entwicklung einzubinden,
wobei die Bedeutung der Regionen sicher zunehmen wird.
Es ist davon auszugehen, daß der Deutsche Verband in den
kommenden Jahren mit gesellschafts- und wirtschaftspolitischen
Fragestellungen konfrontiert wird, die scheinbar nur mittelbar
Auswirkungen auf unsere Arbeit haben, bei genauer
Betrachtungsweise sie aber direkt berühren und beeinflussen. Die
Überlegungen werden sich drehen um die Bildungspolitik, die
demographische Entwicklung, den Strukturwandel, die Zukunft des
Nationalstaates und die Frage nach der internationalen
Zusammenarbeit. All' diese Fragen werden sich auch widerspiegeln
in den Themen Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung. Es wird
daher unsere gemeinsame Aufgabe sein, Antworten darauf zu geben,
wohin sich die Gesellschaft in diesen Bereichen im neuen
Jahrhundert bewegen soll. Wer an diesem spannenden und
zukunftsweisenden Diskurs mitwirken will, möge dem Deutschen
Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V.
beitreten. Die Aufgabe ist dieses wert.
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