Deutsche Immobilienwirtschaft Stabilitätsanker für ganz Europa

Von Rolf Buch, Vorstandsvorsitzender Vonovia SE, Vizepräsident des Deutschen Verbandes

Gemeinsam mit der gif, BID und Haus & Grund unterstreicht der Deutsche Verband im aktuellen Gutachten „Wirtschaftsfaktor Immobilien 2017“ die Stärke und Stabilität der Immobilienwirtschaft

Der Immobilienmarkt ist ein wesentlicher Stabilitätsfaktor für die deutsche Volkswirtschaft. Mit einem soliden, unaufgeregten Wachstum und durch die besondere Struktur wurde die deutsche Immobilienwirtschaft seit Mitte der 2000er Jahre zunehmend auch zu einem wirtschaftlichen Anker für ganz Europa, wo sich mitunter krisenhafte Marktentwicklungen zeigten. Heute hat die deutsche Immobilienwirtschaft eine jährliche Bruttowertschöpfung von 500 Milliarden Euro. Das entspricht 18 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung. Dieser Betrag wird erbracht von gut 817.000 Unternehmen mit drei Millionen Beschäftigten sowie von 3,9 Millionen privaten Vermietern und 16 Millionen Selbstnutzern. Der gesamte Vermögenswert von Immobilien summiert sich auf 11,2 Billionen Euro. Mit knapp 100.000 Euro hat Deutschland nach Österreich und Schweden das dritthöchste durchschnittliche Immobilienvermögen pro Kopf.

Deutscher Immobilienmarkt als Blaupause für Europa

Die Gründe für die gute Position der deutschen Immobilienwirtschaft liegen nur in geringem Maße am Preis- und Mietanstieg der letzten Jahre. Vielmehr sind es die vielschichtige Eigentümerstruktur, das Nebeneinander von mehreren starken Städten oder auch die langfristigen Zinsen und die sicherheitsorientierte Finanzierungskultur, die den deutschen Immobilienmarkt zu einer Blaupause für eine mögliche ökonomische Entwicklung in Europa machen. Gerade die ausgewogene und differenzierte Marktstruktur mit funktionierenden Eigentums- und Mietwohnungsmärkten sowie unterschiedlichen Wohnungsanbieter für verschiedene Zielgruppen und Segmente bilden eine solide Grundlage. Dazu zählen große internationale Immobilienkonzerne ebenso wie  starke kommunale Gesellschaften, Genossenschaften und private Wohnungsunternehmen sowie die vielen privaten Kleinvermietern.

Keine Blase zu befürchten

Trotz der zuletzt gestiegenen Immobilienpreise, droht keine Immobilienpreisblase  Denn die aktuellen Preis- und Wertsteigerungen liegen in erster Linie am hohen Interesse, in den deutschen Immobilienmarkt zu investieren. Dies gilt sowohl für institutionelle (in- und ausländische) Anleger als auch für private Haushalte. Denn es gibt im aktuellen Marktumfeld mit dem historisch niedrigen Zinsniveau wenig Alternativen mit mehr Rendite und ausreichender Sicherheit. Bei steigenden Renditen alternativer Anlagemöglichkeiten werden sich sicherlich Änderungen ergeben. Auch in Bezug auf die Bevölkerungs- und Einkommensentwicklung ist die derzeitige Situation in Deutschland einmalig. Dennoch werden die Immobilienpreise auch bei einem veränderten Umfeld nicht flächendeckend einbrechen, selbst wenn es für manche Segmente, Städte oder Stadtteile Preiskorrekturen geben mag. Dies hat jedoch nichts mit einer finanz- und volkswirtschaftlich bedrohlichen Preisblase zu tun, zumal wir in Deutschland weiterhin eine konservative und sicherheitsorientierte Immobilienfinanzierung mit hohen Beleihungsausläufen verfolgen und auch das Kreditvolumen lediglich moderat ausgeweitet wurde.

Heterogenität: Flexible Akteure gefragt

Die Stärke und Stabilität der deutschen Immobilienbranche ist aber kein Selbstläufer. Aufgrund der unterschiedlichen Akteure und Märkte bedarf es passgenauer politischer Maßnahmen, die die vielschichtigen Wechselwirkungen mit anderen Märkten berücksichtigen. Durch die heterogene Struktur reagieren Immobilienmärkte langsamer. Dadurch sind die Akteure wiederum gefordert, sich flexibler anzupassen, etwa durch niedrigere Transaktionskosten. Eine zentrale künftige Herausforderung für die Bau- und Immobilienpolitik stellen darüber hinaus die wachsenden regionalen und teils kleinräumigen Entwicklungsunterschiede dar. Dynamischen und teuren Märkten mit erheblichem Neubaubedarf stehen Schrumpfungsregionen mit niedrigen Mieten und Preisen, Leerständen und weiterem Rückbaubedarf gegenüber. Auch wächst selbst in Wachstumsstädten die Kluft zwischen angesagten Stadtteilen und sozialen Brennpunkten.

Starke Wohnung- und Stadtentwicklungspolitik des Bundes gefragt

Hier muss der regionale Ausgleich über eine besser ausgestaltete Raumordnungspolitik gestärkt werden. Ebenso gilt es problematische Stadtteile sozial, ökologisch und städtebaulich zu stabilisieren und aufzuwerten. . Darüber hinaus müssen wir schneller und passgenauer auf die differenzierten Immobilienmarktentwicklungen reagieren. Immobilien sind zwar eine langfristige, kapitalintensive und stadtbildprägende Investition und müssen daher von Unternehmen und öffentlicher Hand sorgfältig und nachhaltig geplant werden. Dennoch muss sich die Reaktionsgeschwindigkeit vor allem von Politik und Verwaltung erhöhen. Nach mehr als fünf Jahren mit erheblichen Bevölkerungszuwächsen in vielen Städten lagen die Neubauzahlen im letzten Jahr mit 278.000 Wohnungen immer noch 100.000 Wohnungen unter dem jährlichen Bedarf. Um die Aufgaben zu bewältigen, benötigen wir eine starke Wohnungs- und Städtebaupolitik des Bundes. Denn der Bund sollte einen einen unterstützenden Überbau sowie einen sinnvollen Rahmen für die spezifischen Aufgaben von Ländern und Kommunen bilden. Deshalb darf insbesondere die Wohnungspolitik des Bundes und das zuständige Ministerium in seinen Kompetenzen nicht weiter geschwächt werden. Dies ist auch wichtig, um in anderen Politikbereichen, die die Immobilienwirtschaft direkt betreffen, wie z.B. Klimaschutz und Energiewende, die Belange des Immobiliensektors angemessen zu berücksichtigen.

Gutachten Wirtschaftsfaktor Immobilien 2017

Dies sind einige zentrale Ergebnisse und Ableitungen aus dem aktuellen Gutachten „Wirtschaftsfaktor Immobilien 2017“, das der Deutsche Verband gemeinsam mit den immobilienwirtschaftlichen Verbänden BID, gif und Haus & Grund vom Institut der Deutschen Wirtschaft Köln und der IREBS an der Universität Regensburg erarbeiten ließ. Rechtzeitig zur Bundestagswahl präsentiert das Gutachten fundierte aktuelle Daten und Fakten zur Branche und zum Immobilienbestand und bietet damit wichtige Grundlagen für die Immobilien- und Baupolitik der künftigen Bundesregierung.

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