Handel online - Innenstadt offline?

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Der Handel befindet sich im Wandel: Die Menschen werden älter und die Kaufkraft sinkt oder stagniert. Zudem verändert sich das Einkaufsverhalten aufgrund der Digitalisierung. Die Folgen sind nicht zu übersehen: Inhabergeführte Fachgeschäfte verschwinden, der Einzelhandel in den Innenstädten gerät unter Druck. Wie können Kommunen bzw. die Regional- und Landesplanung attraktive Innenstädte erhalten und die Versorgung der Bevölkerung gewährleisten? Damit beschäftigte sich die Fachtagung "Handel online - Innenstadt offline?" am 6. Mai 2015 in Ludwigshafen.

Sind planerische Steuerungsinstrumente noch zeitgemäß?

Die Tagung erörterte, wie sich das Einkaufsverhalten aufgrund von Digitalisierung und alternder Bevölkerung verändert, welche Folgen dies für Handel und Innenstädte hat und wie Kommunen sowie Landes- und Regionalplanung darauf reagieren können. Dr. Meyer, Vizepräsident des Deutschen Verbandes für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V., wies in seiner Begrüßung auf die rasante Entwicklung des Online-Handels hin. Alleine Amazon tätigt in Deutschland 25.000 Verkäufe pro Minute. Der Vizepräsident der IHK Pfalz, Albrecht Hornbach fragte, inwieweit angesichts dieser Entwicklungen die planerischen Steuerungsinstrumente noch zeitgemäß sind. Die Rheinland-Pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke sieht neben einem passenden Rechtsrahmen und der Unterstützung durch die Landespolitik vor allem die Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung, Händlern und Immobilieneigentümern vor Ort als Kernelemente an, um attraktive und lebendige Innenstädte zu bewahren.

Bindung von Stadt und Handel löst sich auf

Prof. Wolfgang Christ, Urban INDEX Institut GmbH, verdeutlichte eindrucksvoll, dass sich mit dem Online-Handel die seit Jahrtausenden bestehende Bindung von Stadt und Handel auflöst. Das Internet vernetzt Waren und Kunden direkt, wodurch kein Tauschort mehr benötigt wird. Die einzige Chance der Innenstädte ist, das zu bieten, was das Internet nicht kann: Aura, Atmosphäre, Authentizität und Individualität, Stimmung, Körperlichkeit, Erlebnisse etc. Doch sähe man in den deutschen Innenstädten vielfach eine „tristesse urbaine“: Die Geschäftsstraßen sind zum Bummeln nicht attraktiv, sowohl die Architektur als auch die Geschäfte sind austauschbar. Man muss dem Internet innerstädtische Qualitäten, eine interessante Mischung aus Handel, Gastronomie, Kultur und Freizeitangeboten in attraktiv gestalteten öffentlichen Räumen entgegensetzen.

Einzelhandelskonzepte zur Begleitung des Strukturwandels

Herr Schuder von Stadt und Handel unterstrich die Bedeutung von Einzelhandelskonzepten, um den Strukturwandel zu begleiten. Sie sicherten Zentren und Nahversorgung, seien Grundlage für die Bauleitplanung und gäben Planungssicherheit. Gerade kleinere und mittlere Städte sollten die Konzepte nutzen, um neuralgische Punkte zu identifizieren, Standorte zu profilieren und die Frequenzwirkung von Nahversorgung in die Mitte zu bringen, anstatt weitere Standorte auf der Grünen Wiese zu entwickeln. Martin Ornth, Abteilungsleiter im Rheinland-Pfälzischen Wirtschaftsministerium, erklärte, welche Ziele die Landesplanung mit ihren Steuerungsinstrumenten verfolgt: eine qualitätsvolle Versorgung, Erreichbarkeit zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die Stärkung der europäischen Stadt, die Vermeidung von Leerständen, die Innenentwicklung und damit die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme sowie die Nutzungsmischung. Wenn sich die Einzelhandelsentwicklung wirklich an Städten und zentralen Orte ausrichten soll, sei auch eine Überarbeitung des Zentrale-Orte-Systems notwendig.

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